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unmoralisch_sind_immer_nur_die_anderen [2011/08/15 20:56] (aktuell)
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 +//Dieser Text wurde von Veganern verfasst die selbst zu dieser Zeit aus irrationalen Gründen nicht freegan leben aber die Ungerechtigkeit die Freeganern von Veganern entgegen gebracht wird nicht länger dulden möchten.//
 +
 +=====  Unmoralisch?​ Das sind die anderen! ​  =====
 +
 +Wer ehrlich zu sich selbst ist, wird sich kaum davon freisprechen können durch seinen Lebenswandel verschiedene Ausbeutung, Leid und Tod zu verursachen. Auch nicht beim [[Veganismus|Veganismus]]. Die wachsende Popularität des [[diskurs:​Freeganismus|Freeganismus]] und damit einhergehende Thematisierung in verschiedenen Foren und Mailinglisten zum veganen Diskurs lieferte Stoff für erbitterte Auseinandersetzungen zwischen Menschen, die sich eigentlich den gleichen
 +Ziel verpflichtet fühlen: der Befreiung nichtmenschlicher Tiere.
 +Für Unverständnis unter vielen Veganer sorgt der Umstand zu sorgen,
 +dass Freeganer bei dem Wirtschaftskreislauf entzogenen Gütern nicht
 +zwischen vegan und unvegan, bzw. moralisch und umoralisch unterscheiden. Während Freeganer darauf verweisen, dass durch die
 +Verwendung weggeworfener Lebensmittel kein Leid verursacht und durch
 +Nichtverwendung kein Leid aufgehoben wird, beharren Veganer darauf, dass
 +es falsch ist Tiere überhaupt als Lebensmittel(lieferanten) zu
 +verwenden. Offenkundig liegt hier ein klassischer Konflikt zwischen
 +[[Gesinnungsethik|Gesinnungsethik]] und [[Verantwortungsethik|Verantwortungsethik]] vor. Wo Gesinnungsethiker nach der Motivation einer Handlung fragen, ohne über die tatsächlich
 +Konsequenzen zu reflektieren,​ bewerten Verantwortungsethiker vorrangig
 +die Konsequenzen einer Handlung.
 +
 +So edel der Anspruch überzeugter Veganer auch sein mag, aus Tieren
 +hergestelltes unter keinen Umständen als Lebensmittel akzeptieren zu
 +wollen, so befremdlich wirkt er in einer Welt in der  auch vegane
 +Produkte nicht frei von Ausbeutung hergestellt werden, einer Welt in der
 +Menschen verhungern und zugleich tagtäglich Millionen Tonnen essbarer
 +Lebensmittel vernichtet werden.
 +
 +Auf einen Freeganer wirkt der gesinnungsethische Konsum kompromissloser
 +Veganer ebenso unmoralisch wie auf einen Veganer die Verwendung
 +weggeworfener Tierqualprodukte.
 +
 +Es gibt unzählige Menschen auf diesem Planeten die zwar anerkennen, dass
 +der Verzehr von Fleisch, Milch und Eiern viel Leid verursacht, aus
 +diversen Gründen jedoch die Umstellung auf Veganismus nicht
 +vollziehen – oder noch nicht vollzogen haben. Manche Menschen können
 +sich keine besonderen veganen Lebensmittel leisten, anderen schmecken
 +sie nicht und wieder andere gehen davon aus, dass ihr Körper nicht
 +alleine von Pflanzen leben kann. Diese Menschen konsumieren Milch, Eier,
 +Käse und sogar Leichenteile,​ ohne sich an dem Argument „Tierprodukte sind keine Lebensmittel“ zu stoßen.
 +
 +Nun steht die Frage im Raum warum Menschen, die sich nicht vegan
 +ernähren können, dürfen oder  möchten nicht einmal die Alternative
 +Freeganismus angeboten bekommen dürfen?
 +Es gibt nur ein wirkliches Argument und zwar Tiere sind keine Lebensmittel.
 +Natürlich ist eine Ausbeutungsfreie Gesellschaft an zu streben, aber in
 +dieser gäbe es nun auch solche „Lebensmittel“ nicht mehr.
 + 
 +=====  Mülltonne gleich Grab?   =====
 +Man kann sich darüber streiten, was mit den Überresten der Opfer
 +geschehen soll. Da es zu den Werten und Normen unseres Kulturkreises
 +zählt tote Menschen zu begraben und zu verbrennen, erwarten wir als
 +Antispeziesisten diese Behandlung für alle Tiere. Doch kennt die Natur
 +unsere Moralvorstellungen nicht: In der Natur werden die Leichen von so genannten Aasfressern zum überleben genutzt. Nur der Mensch
 +kommt auf die Idee wichtige „Rohstoffe“ zu verscharren und das auch nur
 +bei ihm nahestehenden Personen. Diejenigen, welche keine Angehörigen
 +haben, werden in der Regel an Universitäten und Krankenhäuser geliefert
 +wo sie erst einmal ausgiebig verbraucht werden bevor die letzten Reste
 +dann eingeäschert werden. Eine völlig normale und gesellschaftlich
 +akzeptierte Handlung. ​ Tatsache ist, dass zum Verzehr geeignete
 +Tierqualprodukte in den Abfallcontainern liegen und es der Kuh im
 +Nachhinein nicht mehr Leid bereitet, ob dieser Joghurt nun gegessen wird
 +oder nicht. Ist es nicht viel respektloser die Überreste eines
 +Lebewesens, das für diese Produktion gelitten hat, im Müll liegen zu
 +lassen und im Gegenzug den Kauf zu dulden? Aber aus der Mülltonne
 +herausholen und vergraben – soweit möchte wohl auch niemand der
 +gesinnungsethischen Veganer gehen. Wahrscheinlich weil es reichlich
 +lächerlich wirkte einen Joghurt zu beerdigen. Wäre es da nicht
 +sinnvoller vorne an zu fangen und sich gemeinsam gegen die Produktion
 +dieser Produkte stark zu machen, anstatt sich darüber zu ereifern was
 +mit den bereits existierenden geschieht?
 + 
 +=====  Ich lebe ausbeutungsfrei? ​  =====
 +Ein weiterer Punkt ist eben das 100 % ausbeutungsfrei auch als Veganer
 +unmöglich ist. Die Gründe dafür sind bereits auf einer anderen Seite
 +aufgeführt. Interessant ist, dass gerade viele Menschen die Freeganer
 +angreifen selbst wesentlich mehr Ausbeutung zu verantworten haben. So
 +wird z. B. Auto gefahren, „Aldivegan gelebt (also z. B. keine Fairtrade
 +Produkte gekauft), mit den Steuergeldern für teure Alternativprodukte z.
 +B.die Milchwirtschaft subventioniert,​ es ließen sich viele weitere
 +Beispiele anführen wo Veganer sich an Tierausbeutung beteiligen. ​ Es
 +gibt niemanden, der sich nicht von dem ein oder anderen Fehltritt frei
 +sprechen kann. Eine der lächerlichsten Situationen ergibt sich, wenn
 +Menschen Leichenteile kaufen oder kaufen lassen um sie z.  B. den in
 +ihrer Obhut befindlichen Tieren vorzuwerfen,​ hingegen gegen Containern
 +ganze Hasstiraden loslassen. Spätestens da fragt man sich doch, geht es
 +hier um die Tiere oder um das eigene Ego?
 +
 +=====  Gesundheit ​  =====
 +Ein Argument für Veganismus und gegen Freeganismus ist die Gesundheit. Dies ist ein Punkt wo sich die Geister streiten. Viele vegan lebenden Menschen demonstrieren ihre hervorragende Gesundheit und sicherlich haben sie auch recht damit. Andere wiederum haben Angst, ob sie auch wirklich alle Nährstoffe
 +durch vegane Ernährung erhalten und gehen lieber regelmäßig zum Arzt und lassen sich dort bei Normabweichungen gleich diverse Mittelchen geben. Der Punkt ist allerdings der, wer mit einer rein veganen Lebensweise gut leben kann, braucht doch nicht zu befürchten,​ dass dies ihm weggenommen werden soll.
 +Nur sind die Menschen eben verschieden und was dem einen gut tut wird von
 +dem anderen nicht gleichermaßen positiv gewertet. Containern wäre in diesem Fall auch eine ausbeutungsfreie Alternative für den Übergang bis noch bessere Alternativen geschaffen werden ohne heimlich evtl. gelatinehaltige Aufbaupräparate zu kaufen und einzufahren.
 +
 +=====  Gleichgewicht ​  =====
 +Natürlich ist es nicht möglich, dass sich alle Menschen kurz- oder langfristig übers Containern ernähren. Allein aus diesem Grund wäre eine Kombination aus containertem und veganen Leben notwendig oder sinnvoll. Etabliert sich langsam eine Gesellschaft die gänzlich auf Ausbeutung anderer verzichten will und wird, so erübrigt sich das Problem mit den unveganen Produkten im Müll. Gleichzeitig werden immer neue Alternativen geschaffen. Sowohl der sture veganismus, der in seiner Urform anscheinend nicht auf Ausbeutung von Menschen achtet, als auch der Freeganismus sind lediglich Entwicklungsschritte. Wenn die Menschen beginnen nicht nur das eigene Wohl als obersten Maßstab an zu sehen, ergeben sich im Gesamtkonzept ganz andere Optionen für ein besseres Leben das alle Bedürfnisse eines jeden Individuums berücksichtigt.
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 +Veganismus und Freeganismus sind zur Zeit die einzigen bekannten Möglichkeiten,​ um halbwegs ausbeutungsfrei oder im Falle des Containerns völlig frei von konsumbedingter Ausbeutung zu leben. Doch sollten wir uns nicht vor einer Weiterentwicklung verschließen. Natürlich tut es weh, wenn andere sich weiterentwickeln und man selbst stehen bleibt. Sehen wir das nicht täglich in Gesprächen mit unseren omnivoren Mitmenschen?​ Es gibt immer einen besseren Weg als den, welchen man gerade geht aber bis man diesen findet sollte man offen und aufmerksam durchs Leben gehen!
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 +----
 +[[Ordner:​Freeganismus|Ordner:​Freeganismus]]
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 +=====  Diskussion ​  =====
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 +//Für Unverständnis unter vielen Veganer sorgt der Umstand zu sorgen, dass Freeganer bei dem Wirtschaftskreislauf entzogenen Gütern nicht zwischen vegan und unvegan, bzw. moralisch und umoralisch unterscheiden.//​
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 +Hier wird impliziert, dass Veganer nach der einfachen Logik vorgehen würden, alles was vegan sei wäre moralisch vertretbar, und alles was unvegan sei, wäre moralisch unvertretbar. Zwar gibt es sicher Veganer die so denken, aber ob das "​viele"​ sind, ist Spekulation - ich jedenfalls würde es anzweifeln.
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 +//Während Freeganer darauf verweisen, dass durch die Verwendung weggeworfener Lebensmittel kein Leid verursacht und durch Nichtverwendung kein Leid aufgehoben wird, beharren Veganer darauf, dass es falsch ist Tiere überhaupt als Lebensmittel(lieferanten) zu verwenden.//​
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 +Die Nichtverwendung weggeworfener Lebensmittel hebt sicherlich kein Leid auf, sie ist allerdings m. E. auch Voraussetzung dafür, Probleme wie die [[Überproduktion|Überproduktion]] anzugehen statt sie zu manifestieren. Überproduktion,​ in der Regel durch [[Agrarsubventionen|Agrarsubventionen]] gefördert und durch das bestehende [[diskurs:​Interessen|Interesse]] der Konsumenten,​ sämtliche Waren müssten zu jeder Zeit frisch im Regal stehen, mitverursacht,​ verletzt Interessen: zum einen die der Tiere, die unter inakzeptablen Bedingungen gehalten und „genutzt“ werden, zum anderen die vieler Menschen, weil finanzielle Mittel in Agrarsubentionen gesteckt werden, um die Interessen einer kleinen, einflussreichen Lobby zu bedienen, statt damit mehr Bildung, Kultur, regenerative Energien oder Sozialarbeit zu ermöglichen. Die Überproduktion ist damit in doppelter Hinsicht ein Problem. [[diskurs:​Freeganismus|Freeganismus]] wiederum lebt genau von dieser Überproduktion,​ weshalb ich bezweifeln möchte, ob Freeganer überhaupt ein Interesse daran haben, diese zu reduzieren. Zwar argumentieren Freeganer, den Kapitalismus ohnehin (durch anderweitige Aktivitäten) abschaffen zu wollen, aber auch in einem wie auch immer gearteten freien Wirtschaftssystem kann es Überproduktion geben, ebenso wie Menschen, denen die Interessen von Tieren egal sind. Werden Freeganer dann weiterhin deren Reste verwerten?
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 +//​Offenkundig liegt hier ein klassischer Konflikt zwischen Gesinnungsethik?​ und Verantwortungsethik?​ vor. Wo Gesinnungsethiker nach der Motivation einer Handlung fragen, ohne über die tatsächlich Konsequenzen zu reflektieren,​ bewerten Verantwortungsethiker vorrangig die Konsequenzen einer Handlung.//
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 +Warum schließt sich beides aus?
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 +//So edel der Anspruch überzeugter Veganer auch sein mag, aus Tieren hergestelltes unter keinen Umständen als Lebensmittel akzeptieren zu wollen, so befremdlich wirkt er in einer Welt in der auch vegane Produkte nicht frei von Ausbeutung hergestellt werden, einer Welt in der Menschen verhungern und zugleich tagtäglich Millionen Tonnen essbarer Lebensmittel vernichtet werden.//
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 +Es ist schon erstaunlich,​ wie man zwei so leicht widerlegbare Aussagen aus Veganismus und Antiveganismus in einem Absatz nennen kann. Die erste: wenn eine Idee (wie der Veganismus) nicht zu einer hundertprozentig perfekten Gesellschaft führt, dann ist sie komplett hinfällig. Das ist der falsche Ansatz, denn würde man wirklich so verfahren, würde es nie Verbesserungen geben, da es auch nie eine perfekte Gesellschaft geben wird. Man muss sich also auch den nicht-perfekten Lösungsvorschlägen zu Problemen stellen, und die tagtäglichen Interessenverletzungen von Tieren sind ein Problem.
 +Zum anderen ändert weder Veganismus, noch Freeganismus auch nur einen Deut an der Tatsache, dass tatsächlich in vielen Ländern noch Menschen hungern oder gar verhungern müssen. Die Ursachen für Hungersnöte sind vielseitig - sie haben viel mit Korruption, Krieg und struktureller Gewalt in diesen Ländern selbst, nicht selten durch westliche Länder gefördert, zu tun. Aber Hungersnöte werden in den seltensten Fällen dadurch verursacht, dass es nicht genug Lebensmittel für alle Menschen gibt - das kann man wohl leider nicht oft genug sagen.
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 +//Auf einen Freeganer wirkt der gesinnungsethische Konsum kompromissloser Veganer ebenso unmoralisch wie auf einen Veganer die Verwendung weggeworfener Tierqualprodukte.//​
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 +Das ist aber relativ egal, denn [[diskurs:​Moral ist kein Argument|Moral ist kein Argument]].
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 +//Manche Menschen können sich keine besonderen veganen Lebensmittel leisten, anderen schmecken sie nicht und wieder andere gehen davon aus, dass ihr Körper nicht alleine von Pflanzen leben kann.// ... //Nun steht die Frage im Raum warum Menschen, die sich nicht vegan ernähren können, dürfen oder möchten nicht einmal die Alternative Freeganismus angeboten bekommen dürfen?//
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 +Wenn Freeganismus ein Weg ist, an „moralisch akzeptable“ tierliche Produkte zu kommen, was bietet man diesen Leuten dann an, wenn der Kapitalismus überwunden ist und jedem alles gehört? Sollen die dann auch weiterhin Tiere ausbeuten, weil ihnen Fleisch so gut schmeckt?
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 +//​Natürlich ist eine ausbeutungsfreie Gesellschaft anzustreben,​ aber in dieser gäbe es nun auch solche „Lebensmittel“ nicht mehr.//
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 +Es wird immer Menschen geben, die sich außerhalb ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Normen bewegen.
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 +//Man kann sich darüber streiten, was mit den Überresten der Opfer geschehen soll.//
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 +Bevor man darüber streitet, sollte man doch erstmal darüber nachdenken, ob man nicht etwas   ​*gegen ​ * die Überproduktion tun könnte.
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 +//Tatsache ist, dass zum Verzehr geeignete Tierqualprodukte in den Abfallcontainern liegen und es der Kuh im Nachhinein nicht mehr Leid bereitet, ob dieser Joghurt nun gegessen wird oder nicht.//
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 +Der einen Kuh sicherlich nicht, aber vielleicht einer anderen! Ich behaupte: ja.
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 +//Wäre es da nicht sinnvoller, vorne anzufangen und sich gemeinsam gegen die Produktion dieser Produkte stark zu machen [...]?//
 +
 +Genau dies macht ein Freeganer ja nicht, oder doch?
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 +//Ein weiterer Punkt ist eben das 100 % ausbeutungsfrei auch als Veganer unmöglich ist. Die Gründe dafür sind bereits auf einer anderen Seite aufgeführt.//​
 +
 +Argumente werden auch durch ihre Wiederholung nicht besser, siehe oben.
 +
 +//Eine der lächerlichsten Situationen ergibt sich, wenn Menschen Leichenteile kaufen oder kaufen lassen um sie z. B. den in ihrer Obhut befindlichen Tieren vorzuwerfen,​ hingegen gegen Containern ganze Hasstiraden loslassen.//​
 +
 +Eben. Aber auch jemand, andere moralisch nach anderen Kritierien beurteilt als sich selbst, kann richtige Argumente haben. Deshalb sind moralisierende Aussagen am besten weniger als solche zu betrachten, sondern die Argumente dahinter zu suchen und zu beurteilen.
 +
 +//Der Punkt ist allerdings der, wer mit einer rein veganen Lebensweise gut leben kann, braucht doch nicht zu befürchten,​ dass dies ihm weggenommen werden soll. Nur sind die Menschen eben verschieden und was dem einen gut tut wird von dem anderen nicht gleichermaßen positiv gewertet. Containern wäre in diesem Fall auch eine ausbeutungsfreie Alternative für den Übergang bis noch bessere Alternativen geschaffen werden ohne heimlich evtl. gelatinehaltige Aufbaupräparate zu kaufen und einzufahren.//​
 +
 +Aus gesundheitlicher Sicht ist Containern sicherlich machbar, aber auch riskant. Lebensmittel haben nicht umsonst ein Verfallsdatum.
 +
 +//Sowohl der sture Veganismus, der in seiner Urform anscheinend nicht auf Ausbeutung von Menschen achtet, als auch der Freeganismus sind lediglich Entwicklungsschritte.//​
 +
 +Das ist wohl wahr - beide Ideen sind weder perfekt, noch ausreichend um eine Gesellschaft zu erreichen, in der die Interessen anderer Individuen weitgehend berücksichtigt werden.
 +
 +//​Veganismus und Freeganismus sind zur Zeit die einzigen bekannten Möglichkeiten,​ um halbwegs ausbeutungsfrei oder im Falle des Containerns völlig frei von konsumbedingter Ausbeutung zu leben.//
 +
 +Es gibt aber nicht nur konsumbedingte Ausbeutung, und was die [[Diskursive Wirkung|Diskursive Wirkung]] oder [[diskurs:​Diskursive Praxis|Diskursive Praxis]] angeht, verletzt nicht-veganer Freeganismus viel stärker Interessen. Außerdem entfällt die konsumbedingte Unterstützung von Alternativen.
 +
 +//Es gibt immer einen besseren Weg als den, welchen man gerade geht aber bis man diesen findet sollte man offen und aufmerksam durchs Leben gehen!//
 +
 +Ein wahres Wort! Solange Freeganismus den Konsum tierlicher Produkte beinhaltet, ist er aber ein Rückschritt gegenüber dem Veganismus. Veganer Freeganismus ist sicherlich ein Ansatz, sich dem Wirtschaftskreislauf zu entziehen und ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Ausbeutung zu setzen. Aber wirkliche Alternativen zum bestehenden System werden allein dadurch noch nicht geschaffen.
 +
 +lg,
 +[[User:​Peppermint|Peppermint]] 2006-09-10 20:19
 +
 +----
 +
 +Kurze Zusammenfassung:​ man sollte die Frage gar nicht stellen, ob Veganismus oder Freeganismus oder was auch immer für ein -ismus, sondern einfach schauen: was ist das für eine Idee, was soll damit erreicht werden, wird es erreicht, welche Interessen werden dabei verletzt, welche nicht (und dabei die politische, ökonomische,​ diskursive, ... Wirkung betrachten, vgl. [[diskurs:​Aktionen|Aktionen]]). Ausgangspunkt für Vergleiche sollte die bestehende Gesellschaft sein.
 +[[User:​Peppermint|Peppermint]] 2006-09-10 21:01
 +
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 +----
 +
 +... und anhand der Kritik (wo bestehen Grenzen der Umsetzung, wo werden weiterhin Interessen verletzt) kann man die Ideen dann weiterentwickeln ...
 +[[User:​Peppermint|Peppermint]] 2006-09-10 21:02
 +
 +
 +----
 +
 +also wenn ich das richtig sehe ist dreh- und angelpunkt deiner argumentation gegen freeganismus die unterstellung,​ freegani würden kapitalismus und überproduktion gar nicht abschaffen wollen, weil sie von ihr profitieren. ziemlich mutige aussage angesichts der tatsache, dass fast alle freegani aus anarchistischen oder linksautonomen spektruk kommen und aktiv gegen kapitalismus und seine grausamen auswüsche ankämpfen. für alle freegani ist klar, dass containern keine gesamtgesellschaftliche vision sein kann, sondern ein weg sich markt- und konsumzwängen zu entziehen, um ausbeutung und gewalt von bzw. gegen menschen und tiere zu vermeiden. ​
 +
 +containern lässt sich übrigens sehr gut mit einer politischen botschaft verbinden, indem mensch anderen vor augen führt welche unmengen genießbare lebesmittel weggworfen werden. meist schokiert das viele leute so sehr, dass sie die kapitalistische verwertungslogik,​ die keinerlei rücksicht auf interessen von menschen und tieren nimmt, zu hinterfragen. ​
 +
 +inwiefern freegan ein rückschritt gegenüber konsumvegan bedeutet, kann ich durch deine argumente nicht nachvollziehen.
 +[[User:​http://​freegan.info|freegani]] 2006-09-10 23:34
 +
 +
 +----
 +
 +Vorab: meine Kritik richtete sich vor allem gegen einige meines Erachtens verbesserungswürdige Argumente in dem Artikel - eine Kritik am Freeganismus selbst würde ich sicherlich systematischer und strukturierter vornehmen. ​
 +
 +//für alle freegani ist klar, dass containern keine gesamtgesellschaftliche vision sein kann, sondern ein weg sich markt- und konsumzwängen zu entziehen, um ausbeutung und gewalt von bzw. gegen menschen und tiere zu vermeiden.//​
 +
 +Dann sollte den Freeganismus als Teil eines größeren Konzepts auch in die Definition reinnehmen. Was mir aus öknomischer Sicht vor allem dabei fehlt, ist der Aufbau von Alternativen. Vor allem darf Gratisökonmie im weiten Sinne nicht dazu führen, dass alles gratis erhaltene geradezu automatisch als moralisch vertretbar betrachtet wird, weil es ja keine wirtschaftliche Nachfrage zu den betroffenen Gütern oder Dienstleistungen generiere. Gerade weil der Freeganismus Kapitalismus überwinden soll, darf solch eine Sichtweise darin nicht vorkommen.
 +
 +Der andere Punkt ist die [[Diskursive Wirkung|Diskursive Wirkung]]: jemand der im Park ein (freeganes) Salamibrötchen isst, sendet kontinuierlich die non-verbale Botschaft: „ich akzeptiere den Konsum((„Freegan“ vs. „konsumvegan“ klingen zwar logisch, aber Konsum steht auch ohne Entgelt für Verbrauch, im Gegensatz zu Investition (produktive Anschaffung) einerseits und Produktion (Herstellung) andererseits,​ also konsumieren auch Freeganer.)) tierlicher Produkte als normal“. Durch ein Gespräch mit den Passanten kannst das Bild zwar korrigieren und deine eigentlichen Motive darlegen, aber die wenigsten Passanten werden dich darauf ansprechen, eben weil du nur die gängige Norm reproduzierst.
 +
 +//​containern lässt sich übrigens sehr gut mit einer politischen botschaft verbinden, indem mensch anderen vor augen führt welche unmengen genießbare lebensmittel weggworfen werden. meist schokiert das viele leute so sehr, dass sie die kapitalistische verwertungslogik,​ die keinerlei rücksicht auf interessen von menschen und tieren nimmt, zu hinterfragen.//​
 +
 +Dem schließe ich mich an - wenn das Containern tatsächlich öffentlich passiert und dabei deutlich wird, dass es sich um „Abfälle“ einer Überflussgesellschaft handelt. Ein Argument für den Konsum tierlicher Produkte erwächst daraus aber nicht.((Das ist auch eine der Schwächen, die ich an der Argumentation für den Freeganismus sehe: die Probleme Überproduktion,​ Kapitalismus und Speziesismus werden in einen Topf geworfen, statt separat nach der jeweils besten Lösung zu suchen, und dann zu schauen ob diese miteinander vereinbar sind.)) Vielmehr würde ich dann daraus schlussfolgern,​ dass (wirklich) veganes Containern die bessere Alternative wäre, um die genannten Probleme anzugehen.
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 +lg,
 +[[User:​Peppermint|Peppermint]] 2006-09-11 23:15
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 +
 +----
 +
 +//Der andere Punkt ist die [Diskursive Wirkung]?: jemand der im Park ein (freeganes) Salamibrötchen isst, sendet kontinuierlich die non-verbale Botschaft: „ich akzeptiere den Konsum1 tierlicher Produkte als normal“.//​
 +
 +Kurzer Gedankeneinwurf von mir: Das gleiche Problem habe ich auch, wenn ich ein Tofusalamibrötchen esse. Solange niemand weiß, dass es sich um Tofusalami handelt, sende ich die gleiche Botschaft.
 +[[User:​http://​veganismus-blog.de|Tom]] 2006-09-12 22:56
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 +----
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 +//Beiträge zum „perfekten Veganer“ verschoben auf [[Der perfekte Veganer|Der perfekte Veganer]] (darf auch gern noch entgendert werden, falls jemand einen brauchbaren Vorschlag hat ;)//
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 +//​Diskussion zur diskursiven Wirkung (veganes Tofubrötchen vs. freeganes Salamibrötchen) fortgesetzt auf [[Diskursive Wirkung|Diskursive Wirkung]].//​