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toleranz [2011/08/15 20:56] (aktuell)
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 +=====  Intoleranz auf beiden Seiten ​  =====
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 +Der Umgang von Veganern mit Nicht-Veganern zählt zweifelsohne zu den am meisten umstrittenen Themen, die der Veganismus zu bieten hat. Viele Kritiker hätten kein Problem mit dem Veganismus, würden Veganer anders in der Öffentlichkeit auftreten. Veganer selbst wiederum sehen sich nicht selten mit Unverständnis und Intoleranz konfrontiert,​ wenn sie sich irgendwo als vegan outen.
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 +Glücklicherweise lassen sich solche Konflikte nicht pauschalisieren,​ und würden sich wahrscheinlich durch viele Beispiele relativieren lassen, bei denen Veganer und Nicht-Veganer in einem guten Verhältnis miteinander leben und sich gegenseitig akzeptieren.
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 +=====  Das Problem ​  =====
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 +Das Problem aus veganer Sicht besteht darin, dass ein allzu freundliches Auftreten (à la Kaplan) zwar Akzeptanz ermöglicht,​ aber kein Umdenken bewirkt, während das Vor-den-Kopf-Stoßen seitens der Ablehnenden jeglicher Toleranz vielleicht einige zum Denken anregt, die überaus große Mehrzahl der Rezipienten jedoch dauerhaft Abstand nehmen lässt. Wer meint, sich hier zweifelsfrei für eine Variante entscheiden zu können, übersieht sowohl die jeweiligen negativen Folgen als auch die Möglichkeit,​ vielleicht doch einen Kompromiss zwischen beiden Vorgehensweisen ausbalancieren zu können.
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 +=====  Null Toleranz ​  =====
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 +Auf der Seite der Veganer sind es vor allem einige Tierrechtler,​ die durch konsequente Intoleranz auf sich aufmerksam machen. Ohne Rücksicht auf durch gesellschaftliche Einflüsse geprägte moralische Wertvorstellungen,​ jedoch unter Bezugnahme auf den Antispeziesismus und mit Verweis auf die Opfer der Tierausbeutung werden verschiedene Formen des Tötens oder Mordens von Menschen und anderen fühlenden Lebewesen mit Slogans wie „Vegetarier sind Mörder“((http://​maqi.veganismus.ch/​maqi.de/​txt/​vegetariersindmoerder.html)) oder „Null Toleranz für Vegetarier“((http://​veganismus-blog.de/​index.php?​title=null_toleranz&​more=1&​c=1&​tb=1&​pb=1)) gleichgesetzt,​ wird ein Mord aus niederen Beweggründen wie Trieb und Habgier dem unbedachten oder egoistischen Konsum von tierischen Produkten gleichgestellt,​ welcher immerhin dem existenziellen Bedürfnis folgt, sich zu ernähren.((Vorausgesetzt wird dabei, dass eine angemessene menschliche Ernährung auch rein pflanzlich möglich ist.)) Dementsprechend der Umgang einiger (nicht aller) Tierrechtler mit Nicht-Veganern:​ von einer vermeintlich höheren moralischen Ebene herablassend,​ belehrend, aggressiv. ​
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 +Gern wird dabei auf die Handvoll Vegetarier verwiesen, die sich auf diese Weise zum Veganismus bekehren lässt. Was beflissentlich übersehen wird, ist der sektiererische Ruf, der dem Veganismus in den Augen der restlichen Öffentlichkeit dabei verpasst wird. Davon abgesehen ist es fragwürdig,​ was ein auf diese Weise „gewonnener“ Veganer nutzt, wenn er sich beim nächsten Einwirken durch derart auftretende Gruppen wohlmöglich schon wieder von einem ganz anderen Thema mitreißen und den Veganismus links liegen lässt.
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 +=====  Unverständnis ​  =====
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 +Seitens der Kritiker sind es vor allem Jäger, Metzger und ähnliche mit der „Tiernutzung“ verbundene Zeitgenossen,​ die sich durch öffentlich gelebten Veganismus angegriffen fühlen. Das aggressive Auftreten vieler Tierrechtler hat daran sicher einen Anteil, aber auch die Vorstellung einer veganen Gesellschaft selbst, die, so utopisch das klingen mag, den Jägern und Metzgern ihrer Lebensgrundlage berauben würde.
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 +  * Wobei aus antiveganer Sicht häufig betont wird, dass es kein Problem dabei gäbe, wenn jemand für sich persönlich entscheide, vegan leben zu wollen. Intoleranz tritt hier meist erst dann auf, wenn Veganer sich öffentlich für den Veganismus engagieren. ​
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 +=====  Intoleranz im Internet ​  =====
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 +Da Begegnungen im nicht-virtuellen Leben eher selten sein dürften, konzentrieren sich die Auseinandersetzungen hauptsächlich auf das Internet und andere Medien. Hier dürfte auf beiden Seiten ein gewisses Gefühl der Ohnmacht eine Rolle spielen: seitens der Befürworter eines aktiven Veganismus, an den etablierten Werten und Verhältnissen kaum etwas ändern zu können. Und seitens der Kritiker, auf thematisch relevanten Seiten nicht zu Wort kommen und die eigenen Positionen verteidigen zu können, weil die technische Überlegenheit der Administratoren regelmäßig missbraucht wird, um Kritik auszublenden.
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 +=====  Fazit und Weiterdenken ​  =====
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 +Offen bleibt bei diesen Überlegungen weiterhin, ob die über diese Kanäle wahrgenommene Intoleranz tatsächlich repräsentativ für das Verhältnis von Veganern und Nicht-Veganern ist. Diese Frage lässt sich letztlich nur aus den jeweils eigenen Erfahrungen heraus beantworten,​ die ja meist nur am Rande durch die Diskussionen im Internet bestimmt wird. 
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 +Zu überlegen wäre auch, ob es aus Sicht des Veganismus nicht doch einen sinnvollen Mittelweg zwischen freundliche Allakzeptanz und völliger Intoleranz geben kann. Dieser würde allerdings auch voraussetzen,​ dass einige der Beteiligten sich von ihrer Ideologie verabschieden (was wohl selbst schon wieder Utopie ist) und die Bereitschaft zeigen, in einer Diskussion auch einmal die plausibleren Argumente der Gegenseite zu akzeptieren,​ oder hinsichtlich ihrer Prämissen stärker zu differenzieren,​ insbesondere in Bezug auf die Frage der "​Ethik"​. ​
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 +=====  Kritik am Toleranzbegriff ​  =====
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 +Toleranz wird häufig zu einer Tugend hochstilisiert. Dabei ist Toleranz nichts weiter als Bändigung einer intensiven Abneigung. Toleranz heißt jemanden aushalten, dulden und ertragen, obwohl er/sie uns stört, belästigt und herausfordert. Toleranz ist unnatürlich,​ denn sie diktiert Zurückhaltung,​ wo wir eigentlich angreifen möchten. Die klassische Toleranzlehre gebietet eine friedliche Koexistenz einander widersprechender Positionen. Das Grundprinzip jeder Ideologie, dass es genau eine Wahrheit gibt, bleibt dabei jedoch unangetastet. Wer sich auf der Seite der Wahrheit wähnt, kann kontroverse Meinungen nicht als gleichberechtigt anerkennen. Wer beispielsweise Toleranz für AusländerInnen fordert, gibt damit zu bedeuten, dass sie ein Störfaktor,​ ein Dorn im Auge sind. Toleranz gegenüber Minderheiten ist leider nichts weiter als ein geschöntes Ausgrenzungsmuster.
 +Als Hinweis auf die diskriminierende Dimension des Toleranzbegriffs sei der "​Aufstand der Anständigen"​ erwähnt. Da sprechen viele bürgerliche Menschen von Toleranz für MigrantInnen,​ solange sie nicht in ihrer Nachbarschaft wohnen. ​
 +Toleranz sollte nicht mit Respekt verwechselt werden, denn Respekt bedeutet andere Lebensarten und Meinungen zu akzeptieren,​ ohne sie notwendigerweise teilen zu müssen. ​
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 +FAQ
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 +=====  Diskussion ​  =====
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 +//Bezieht sich zum Teil auf Teile des Artikels, die mittlerweile geändert wurden. -- Tim 2005-03-03 00:37//
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 +Und hier erkennen wir einmal mehr, dass Du kein Tierrechtler,​ sondern bestenfalls ein Veganköstler bist. Jemand der Gewalt gegen nichtmenschliche Tiere ebenso ablehnt wie Gewalt gegen Menschen, kann und wird sich nicht in Toleranz gegenüber Nichtveganern üben. Wenn es wirklich so aus den Wald schallen würde, wie die Leichenfresser hineinrufen,​ dann hätten sie schon lange ein Messer an der Kehle.
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 +-- Unbekannt 2005-01-23 21:17 //​(entpersonalisiert und orthographisiert)//​
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 +Toleranz und das Ablehnen von Gewalt schließen sich nicht aus, ganz im Gegenteil: wer andere undifferenziert verurteilt und über einen gemeinsamen Kamm schert, ohne die Hintergründe und Umstände einzubeziehen,​ handelt willkürlich. Willkür ist auch eine Form der Gewalt. Zero Tolerance und Freiheit, für die ihr Tierrechtler angeblich kämpft, passen nicht zusammen.
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 +-- Unbekannt 2005-01-23 21:32
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 +Hallo zuletzt postendeR UnbekannteR,​
 +woher rührt eigentlich dieser Irrglaube, Toleranz sei eine per se guter Charakterzug?​ Ob Toleranz angebracht ist oder nicht, hängt unweigerlich damit zusammen gegenüber was ich mich tolerant zeige. Toleranz gegenüber KinderschänderInnen,​ VergewaltigerInnen und MörderInnen ist wohl kaum wünschenswert,​ sondern geradezu verbrecherisch und beweist einen alarmierenden Mangel an Zivilcourage. Nichtmenschliche Tiere sind nicht minder leidensfähige Individuen wie Menschen, folgerichtig müssen wir sie auch im gleichermaßen moralisch berücksichtigen - alles andere wäre reine Willkür. Damit sehe ich es als Gebot, Tierausbeutung nicht zu tolerieren, sondern mit allen moralisch vertretbaren Mitteln zu bekämpfen. Das heißt: Keinem Menschen soll Gewalt angetan werden, aber es ist mehr als legitim TierausbeiterInnen (und dazu zählen auch VegetarierInnen) schonungslos auf ihre Verbrechen aufmerksam zu machen und ihnen zu zeigen, dass wir keinerlei Verständnis für ihre Gräueltaten haben. Wenn du diese Vorgehensweise schon als Gewalt betrachtest,​ bitte ich dich einmal die Augen weit zu öffnen und dir solche [[http://​www.soylent-network.de/​doku/​index.htm#​bildmaterial|Bilder]] anzusehen. **Das** ist Gewalt! ​
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 +Die Freiheiten des Einzelnen werden durch schonungs- und kompromisslose Aufklärung nur insoweit eingeschränkt,​ als dass sie mit reinem Gewissen keine Tierausbeutungsprodukte mehr konsumieren können. Auf wenn es dir unverständlich erscheinen mag: Ich wiegt das Interesse/​Recht nichtmenschlicher Tiere auf Leben und Freiheit schwerer. Wenn es mir nach Menschenfleisch gelüstete, wäre es auch nur recht und billig mich mit allen moralisch vertretbaren Mitteln davon abzuhalten andere Menschen zu ermorden und zu verspeisen. Oder würdest du dich auch in diesem Fall tolerant zeigen, um gegenüber ein abstraktes ​ Ideal von Gewaltfreiheit nicht zu verstoßen?
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 +Du schreibst, es müssten die Hintergründe und Umstände berücksichtigt werden - nichts anderes machen TierrechtlerInnen:​ Als Hintergrund für Tierausbeutung haben sie den Speziesismus erkannt; dieser kann sicherlich nicht mit einem geduldigen Ertragen (Toleranz) des Status Quo abgeschafft werden. ​
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 +BTW: Über einen Kamm scheren TierrechtlerInnen sicherlich nicht, schließlich rauben sie keinen Schafen ihre Haare. Doch wer offenkundig so speziesistisch denkt und sich in Toleranz gegenüber TierausbeuterInnen üben möchte, ist dies wohl herzlich egal. :-/
 +[[User:​http://​www.anti-speziesismus.de|Tom]] 2005-01-23 22:18
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 +Tom, der Hinweis auf speziesistische Redewendungen ist gerechtfertigt,​ ist aber nicht ausreichend um gleich die gesamte Argumentation des Gegenüber zu verwerfen. [[diskurs:​Speziesistische Redewendungen|Speziesistische Redewendungen]] werden entgegen ihrer Herkunft häufig unbewusst und metaphorisch verwendet - ich halte es für sinnvoll darauf hinzuweisen,​ jedoch für reichlich übertrieben,​ bei einem Beispiel wie dem oben aufgetretenen von "​offenkundigem speziesistischen Denken"​ zu reden. Bei solchen Reaktionen könnte sonst schon leicht der Eindruck entstehen, dass es weniger um die Suche nach vernünftigen Argumenten als um das Diskreditieren der anderen Diskussionsteilnehmer geht.
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 +Ansonsten kann ich nur noch einmal darauf verweisen, dass falsche Argumente in den hier stehenden Artikeln jederzeit korrigiert oder fehlende Argumente jederzeit ergänzt werden können. ​
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 +-- Tim 2005-03-03 00:37
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 +Es ist für mich recht schleierhaft,​ was Veganer mit Engagement für Veganismus bezeichnen? Ich bin nicht Veganer und nicht Vegetarier und ich weiss, woher das Fleisch und die Milch kommt, deswegen ist es dennoch nicht angebracht, denn Menschen als Frugivoren zu bezeichnen, nur weil er nicht 10 cm lange Eckzähne hat.