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tierrechte_vs._tierschutz

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tierrechte_vs._tierschutz [2011/08/15 20:56] (aktuell)
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 +=====  Gibt es einen optimalen Weg?   =====
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 +Diskussionen „Tierrechte vs. Tierschutz“ gab es schon viele. Bisher habe ich jedoch keine Einstellung dazu gefunden, die man nicht auch kritisieren könnte. Sich mit Tierschutz zu begnügen halte ich für falsch, weil es die Verhältnisse nur modernisiert. Tierrechte in aller Konsequenz zu fordern und jeglichen Tierschutz abzulehnen, erscheint mir durchaus wünschenswert,​ es birgt aber praktische Probleme. Während Tierschutz zumindest kleinere Verbesserungen hier und jetzt bringt (wenn auch langfristig Tierrechte eher verhindert!),​ sind Tierrechte allein eine Utopie, die zumindest hier und jetzt nichts verändern.
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 +Wenn ich noch etwas präzisieren darf, sieht die Entscheidung doch so aus: radikale((Der Begriff „radikal“ ist selbstverständlich ohne Wertung gemeint: ich denke, das erschließt sich unter Beachtung der Bedeutung dieses Begriffes von selbst.)) Tierrechtler gehen davon aus, die Utopie freier Lebewesen nur durch die vollständige Ablehnung tierschutzbezogener Aktivitäten (= Festigung der Rollen) erreichen zu können. Zu Gunsten der Feiheit und Lebensqualität später (in der Utopie) geborener Individuen nehmen sie somit bewusst „etwas mehr Leid“ für einige der jetzt lebenden Individuen in Kauf, denen z. B. durch verbesserte Haltungsbedingungen zumindest ein bisschen geholfen werden könnte. Dieses Inkaufnehmen größeren Leids einzelner Individuen zugunsten einer (zukünftigen) Allgemeinheit weist Parallelen zu einer [[Utilitarismus|utilitaristischen]] Ansicht (in Verbindung mit einer das Glück zukünftiger Individuen einschließenden „Totalansicht“) auf, welche aus verschiedenen Gründen zu kritisieren ist (vgl. Utilitarismus).
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 +Weniger radikale Tierrechtler lehnen diese Haltung ab, und unterstützen zumindest teilweise auch tierschützerische Handlungen. Je stärker sie diese jedoch unterstützen,​ desto mehr beteiligen sie sich an der Modernisierung und damit der Festigung der jetzigen [[diskurs:​Speziesismus|speziesistischen]] Verhältnisse. Zudem widersprechen sie mit ihrem tierschützerischen Handeln teilweise ihren eigenen tierrechtlerischen Forderungen.
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 +Wer als Tierrechtler also den Utilitarismus ablehnt, die Tierausbeutung aber auch nicht reformieren möchte, steckt in einem Dilemma. Die persönliche Entscheidung kann dann nur anhand [[diskurs:​Moral|moralischer]] Kriterien getroffen werden, die jeder Tierrechtler für sich selbst ausmachen muss.
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 +**Siehe auch:**
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 +  * [[diskurs:​Tierrechte|Tierrechte]]
 +  * [[Tierprotektionismus|Tierprotektionismus]]
 +  * [[Tierschutz|Tierschutz]]
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 +Tierrechte Tierschutz
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 +Ich halte die zentrale Prämisse von denen die AutorInnen dieses Artikels ausgehen für unzutreffend,​ deutlich tritt sie in folgender Aussage zu Tage:
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 +"​Während Tierschutz zumindest kleinere Verbesserungen hier und jetzt bringt (wenn auch langfristig Tierrechte eher verhindert!),​ sind Tierrechte allein eine Utopie, die zumindest hier und jetzt nichts verändern."​
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 +Ich möchte an dieser Stelle gar nicht darüber diskutieren,​ ob z.B. Boden- und Freilandhaltung als tierschützerische Alternative zur Legebatterie auch nur eine marginale Verbesserung für die Hennen darstellen, sonder darüber, ob nicht auch durch Tierrechtsarbeit derartige "​Verbesserungen"​ zu erzielen sind. Offensichtlich ist, dass nur ein verschwindend geringer Bruchteil der (unveganen) Menschheit die Forderungen von TierrechtlerInnen umsetzt, also vegan lebe und selbst für Tierrechte eintritt. Jedoch sind viele Menschen bemüht uns entgegenzukommen,​ indem sie nur noch (so meinen sie zumindest) so genanntes Biofleisch oder Eier aus Freilandhaltungen kaufen und damit ihr Konsumverhalten nach den Maßstäben des Tierschutzes ausrichten. Kaum verwunderlich,​ stellt doch dies ein fundamentales Prinzip jeder Verhandlungspolitik dar: Wir müssen immer mehr fordern, als unsere VerhandlungspartnerInnen dann auch tatsächlich umsetzen. Die kleinen Schritte (ob sie nun nichtmenschlichen Tieren nutzen oder nicht), die TierschützerInnen fordern, werden also durch Tierrechtsarbeit nicht verhindert, sondern eher gefördert. Zudem lassen sich auch vereinzelt Menschen für den Veganismus gewinnen - und wer vegan lebt rettet wohl unzweifelhaft mehr Leben als jemand der "​Biofleisch"​ und Eier aus Freilandhaltungen konsumiert.
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 +-- Tom 2005-04-06 08:17
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 +Etwas merkwürdig ist es aber schon, wenn Tierrechtler einerseits marginale Verbesserungen der Lebensumstände vehement ablehnen, sich andererseits aber auf eben jene Verbesserungen als "​ihre"​ Erfolge berufen. Wenn Du schreibst "Wir müssen immer mehr fordern, als unsere VerhandlungspartnerInnen dann auch tatsächlich umsetzen"​ klingt das ein wenig, als würden Tierrechtler eigentlich ja doch die bestehenden Verhältnisse als grundsätzlich unveränderbar erachten und sich mit kleinen Schritten zufrieden geben. Dass es solche (kleine Schritte unterstützende) Haltungen unter Tierrechtlern auch gibt, kommt im Abschnitt "​Weniger radikale Tierrechtler lehnen diese Haltung ab, und unterstützen zumindest teilweise auch tierschützerische Handlungen. Je stärker sie diese jedoch unterstützen ..." auch schon zum Ausdruck. Oder liegt der optimale Weg für Dich darin, nach außen nur kompromisslose abolitionistische Tierrechtsforderungen zu vertreten, kleine Verbesserungen (wenn es denn welche sind) aber dennoch - ohne das öffentlich zu machen und damit zu unterstützen - zu begrüßen?
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 +Was man auf jeden Fall auch machen könnte: Wertungen und die Ich-Perspektive aus dem Artikel rausnehmen ...
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 +-- Tim 2005-04-06 08:45
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 +Freilandhaltung oder Bodenhaltung statt Legebatterie kann ich unmöglich als Verbesserung ansehen, auch nicht als marginale Verbesserung. Die Todeszellen mögen geräumiger sein, aber sonst bleibt alles gleich - mit einem Unterschied:​ Es werden signifikant mehr Hühner ausgebeutet und ermordet als es in einer Legebatterie der Fall wäre; wenn wir das Leid also rein quantitativ betrachten möchten, stellt die Freilandhaltung sogar eine Verschlechterung dar.  ​
 +Gegen TierrechtlerInnen wird ja häufig der Vorwurf laut, dass sie durch ihr abolotionistisches Auftreten selbst so kleine "​Verbesserungen"​ wie kürzer Transportzeiten oder eben die Abschaffung der Legebatterie verhindern würden - mir war es lediglich ein Anliegen zu verdeutlich,​ dass dies nicht der Fall ist. Ich wollte damit jedoch keineswegs zum Ausdruck bringen, dass ich mich mit den kleinen Schritten zufrieden gebe und eine tierrechtsachtende Gesellschaft als nicht zu erreichende Utopie ansehe. BTW: Ich finde den Ausdruck Utopie im Artikel als etwas unglücklich gewählt, hier wird auf subtile Weise zum Ausdruck gebracht, dass es eine Gesellschaft frei von institutionalisierter Tierausbeutung nie geben wird. Schließlich wird Utopie von vielen als etwas nicht zu Verwirklichendes verstanden.
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 +-- Tom 2005-04-06 09:38
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 +Über Freilandhaltung lässt sich sicher streiten - kürzere Transportzeiten sind aber nunmal objektiv eine Verbesserung für die Individuen, wenngleich von einem aus Sicht der betroffenen Tiere ohnehin schon sehr schlechtem Ausgangspunkt. Die Frage ist nur, ob man sich mit solchen Veränderungen begnügt (oder dies nach außen signalisiert),​ oder ob weitergehende Forderungen deutlich zum Ausdruck bringt.
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 +-- Tim 2005-04-06 10:01
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 +  * Richtig, aber langsam führt die Diskussion vom eigentlichen Thema weg. ;-) Die Frage war: Werden durch eine tierrechtlerische Agitation marginale Verbesserungen wie kürzere Transportzeiten verhindert (These des Artikels) oder eher begünstigt (meine These)? Über [[Haltungsformen|Haltungsformen]] sollten wir auf einer eigenen Seite diskutieren. -- Tom 2005-04-06 10:17
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 +      * Ich hatte es anders verstanden: marginale Verbesserungen werden durch abolitionistische Tierrechtler nicht verhindert, sondern abgelehnt, weil sie die grundsätzliche Haltung von Tieren legitimieren würden. Ich würde auch dem Punkt zustimmen, dass durch die Aktivitäten von Tierrechtlern dennoch marginale Verbesserungen (als Entgegenkommen) erreicht werden können. Wir sollten das so im Artikel auch herausstellen,​ also ggf. nochmal umschreiben.
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 +        * Ich kann verstehe mich zwar als Tierrechtler,​ kann aber unmöglich für alle TierrechtlerInnen sprechen, zumal //wir// keine homogene Gruppe bilden. Ich für meine Person empfinde es nicht als bedauernswert,​ dass durch meine Agitation sich beispielsweise die Transportzeiten zum Schlachthof verkürzen, die Tieren Wasser gereicht wird und vergleichbare Maßnahmen, würde dies jedoch nie direkt fordern, da es zum einen wirklich nur geringfügige Verbesserungen (sofern mensch sie überhaupt als solche benennen möchte) sind. Fakt ist jedoch, dass ein direktes Eintreten für die kleinen Schritte des Tierschutzes die Herrschaft über nichtmenschliche Tiere nicht in Frage stellt, sondern nur einen schonenden Umgang mit ihnen fordert. Nützen tut der Tierschutz m.E. vor allem den Menschen, so werden z.B. durch kürzere Transportzeiten oder eine Betäubung vor den Schlachten weniger Stresshormone ausgeschüttet - die Folge: Das //Fleisch// schmeckt besser. Und mache TierschützerInnen wagen es auch noch hier von einer Symbiose zu sprechen, weil ja beide Seite davon profitierten. Darum sind viele TierrechtlerInnen auch bemüht sich vom Tierschutz zu distanzieren und klar zu stellen, dass sie keine kürzen Transportzeiten,​ sondern gar keine Tiertransporte fordern. Dass sie kein //​schonendes//​ Schlachten, sondern gar keine Schlachten fordern. Dass sie keine Freilandhaltung,​ sondern gar keine Haltung fordern. Und dennoch: Viele Menschen gehen leider erst diesen kleinen Schritt als Entgegenkommen und in der stillen Hoffnung, TierrechtlerInnen würden nun verstummen.
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 +- Tom 2005-04-06 11:20
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 +      * Die konkrete Diskussion über Haltungsformen fände ich auch interessant,​ insbesondere die Frage, ob es nicht doch auch Formen der Nutzung geben könnte, die sich mit einer pathozentrischen ethischen Auffassung vereinbaren ließe. -- Tim 2005-04-06 10:52
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 +[[Utopie|Utopie]] sehe ich persönlich grundsätzlich positiv. Ohne Utopien und Visionen wird es keine wirklichen Veränderungen geben können. Vieles von dem, was bis heute erreicht wurde, galt früher als Utopie. Du bist aber nicht der erste, der den Begriff negativ auffasst. Vielleicht sollten wir eine eigene Seite daraus machen ...
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 +-- Tim 2005-04-06 10:01
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 +  * Utopien haben für mich als Vorstellung wohin sich eine Gesellschaft entwickeln soll auch positiven Charakter (wobei es natürlich immer darauf ankommt, wer diese Utopie entwickelt ​  ​*g ​ *), jedoch repräsentieren Utopien i.d.R. ein Ideal, welchem wir uns allenfalls annähren können. Und genau hier sehe ich das Problem: Wenn wir eine tierrechtsachtende Gesellschaft als Utopie benennen, signalisieren wir meines Erachtens, dass es diese nur in Ansätzen geben wird.
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 +-- Tom 2005-04-06 10:17
  
tierrechte_vs._tierschutz.txt · Zuletzt geändert: 2011/08/15 20:56 (Externe Bearbeitung)