Tierprotektionisten grenzen sich von Tierrechtlern insofern ab, dass sie in erster Linie die Symptome des Speziesismus statt seiner Ursachen bekämpfen. Wie Tierrechtler haben auch Tierprotektionisten das Ziel einer Gesellschaft vor Augen, in der Tierrechte geachtet werden. Im Artikel „Voice of the Voiceless?!“, erschienen im TAN-Reader „My Brother's Keeper“ wurde der Begriff des Tierprotektionismus erstmalig verwendet.
Meinst Du mit also Tierprotektionisten Tierrechtler, welche auch Aktivitäten im Bereich Tierschutz unterstützen?
Frühere Diskussion, verschoben aus Veganer:
Protektionist ist die wörtliche Übersetzung (Deutsch→Latein) von Schützer. Mir scheint deswegen eine Differenzierung zwischen „Tierschützer“ und „Tierprotektionist“ widersinning, da es sich semantisch um den gleichen Begriff handelt.
Weiterhin gebe ich zu Bedenken, dass Tierprotektionismus wahrscheinlich in Anlehnung an Kulturprotektionismus geprägt wurde.
:: Quelle: Wikipedia
:: Tierprotektionisten möchten ebenfalls nichtmenschliche Tiere vor den externen Einflüssen des Menschen schützen
:: geschrieben von Tom
Ich habe meine Definition von Tierprotektionismus revidiert, da sie nicht mit der ursprünglichen Verwendung des Begriffs übereinstimmte. Weiterhin boykottieren Tierrechtler nicht Tierausbeutungsprodukte, sondern lehnen den Konsum resolut ab. Boykott hingegen ist als temporärer Konsumverzicht definiert. – Tom 2004-09-06 12:20 UTC
Siehe auch:
Grundlagen Tierrechte Tierschutz
Mein Kommentar dazu:
(Kleine Vorbemerkung: ich zitiere ausschließlich aus der Erinnerung, es ist schon Jahre her seit ich die genannten Text gelesen habe und es ist daher nicht auszuschließen, dass sich ein paar Fehler in meiner Darstellung eingeschlichen haben…..)
Protektionismus ist die rogausche Übersetzung von Franciones Begriff des „new welfarism“. Ausführlich diskutiert wird das ganze in:
Rain Without Thunder - The Ideology of the Animal Rights Movement Gary L. Francione 1996 1-56639-461-9 http://www.temple.edu/tempress/titles/1299_reg.html
(Eine sehr ausführlichere Fassung von: Gary L. Francione, Animal Rights and Animal Welfare, 48 Rutgers Law Review 397 (1996), http://www.animal-law.org/library/araw.htm )
Jedoch übersetzt nur Rogausch diesen Begriff so. In anderen Publikationen wird er anders übersetzt, ohne dass sich ein Übersetzungsvorschlag durchgesetzt hat. (Schon das engl. Wort „animal welfare“ wird durch „Tierschutz“ nur unzureichend wiedergegeben)
Überlegungen, ob der Begriff etwa durch „Anlehnung an Kulturprotektionismus“ oder ähnliches geprägt wurde, sind daher Fehl am Platz.
Die hier gegeben Definition ist IMHO unglücklich. „New welfarists“ sind Tierrechtler (sie grenzen sich nicht von ihnen ab), die glauben, dass es Ziel von TR-Kampagnen sein darf, Reformen der aktuellen Tierausbeutungspraxis (x qm mehr für Hennen, kürzere Transporte zu Schlachthöfen….) anzustreben. Aber dies nicht aus dem Grunde, weil sie nichts grundsätzliches gegen diese Praktiken einzuwenden hätten, sondern weil sie meinen, dass Kampagnen, die sich prinzipiell gegen diese Praktiken richten würden, zum Scheitern verurteilt wären und den aktuell leidenden Tieren so nicht geholfen wäre. Wer würde nicht einer durstigen Kuh auf dem Weg zum Schlachthof nicht zumindest Wasser geben, wenn er schon das Schlachten selbst nicht verhindern kann? (Franciones Lieblingsbeispiel für die Argumentation der „new welfarists“). Reformen von Tierausbeutungspraktiken sollen der Meinung der new welfarists nach Schritte in Richtung des Endzieles - der Abschaffung eben dieser Praktiken - sein, eine Art „springboard into animal rights“. (Also „Tierrechtler, welche auch Aktivitäten im Bereich Tierschutz unterstützen“ - wie auch geschrieben wurde)
Ich persönlich halte von den Arbeiten von Herrn Francione - und vor allem vom obigen Buch - nicht besonders viel. Es strotz vor Wiederholungen und stellenweise muss man ihm wohl vorwerfen, dass er die Positionen von Personen, gegen die er argumentiert (z.B. Peter Singer) verzerrt bzw. mangelhaft darstellt.
Eine IMOH sehr gute Kritik des Buches - und an Franciones Kritik des „new welfarism“ - findet man in:
Steven M. Wise Thunder Without Rain: A Review/Commentary of Rain Without Thunder, by Gary L. Francione in 3 Animal Law 45 (1997) p.45-60 http://www.lclark.edu/org/animalaw/volume3.html (leider nicht online einsehbar)
Andere Stimmen dazu: Dr. Steve Best Animal Welfare Or Animal Rights? Dismantling a False Opposition http://www.drstevebest.org/papers/vegenvani/animalwelfare.htm (Best geht aber nur sehr kurz auf Francione ein)
Folgendes habe ich schon lange vor dem Erscheinen von Franciones Buch gelesen, und ich glaube Francione hätte dies auch tun sollen: Sumner, L.W. (1988) Animal welfare and animal rights Journal of Medicine and Philosophy 13 p. 159-175
Eine bekannter Verteidiger des „new welfarism“ ist etwa Peter Singer. Siehe hierzu: Singer, Peter Henry Spira und die Tierrechtsbewegung 2001 ISBN 3-89131-404-3 http://www.animal-rights.de/guide/literatur/rezensionen/singer_ueber_spira.shtml
Das Buch wurde erst nach Franciones „Rain Without Thunder“ geschrieben und ist eine Verteidigung einer gewissen Spielart des „new welfarism“ (Spira wird von Francione mehrfach erwähnt). Allerdings geht Singer nur in einer einzigen Fußnote direkt auf Francione ein. Eine Diskussion mit Franciones Argumenten selbst findet nicht statt, was allerdings auch nicht weiter überrascht.)
Wenn ich mal fleißig bin, gehe ich in den Keller, kram das ganze Zeug zusammen und schreibe etwas in angemessener Form dazu… christian 2005-11-24 02:12
Welche anderen Übersetzungen zu animal welfare gab es denn sonst noch so? Peppermint 2005-11-27 15:05