PETAs "Holocaust auf Ihrem Teller"-Kampagne rechtmäßig

Die kontrovers diskutierte Kampagne „Holocaust auf Ihrem Teller“ der Tierrechtsorganisation PETA-Deutschland e.V., ist rechtmäßig. Das urteilte der Oberste Gerichtshof Österreichs in letzter Instanz und hob alle vorherigen Instanzen-Entscheidungen als rechtswidrig auf. Die Organisation schätzt es als nahezu sicher ein, dass auch die Urteile der Berliner Gerichte und des Stuttgarter Amtsgerichts aufgehoben werden.

Die 2004 gestartete Ausstellung zeigt auf 8 Schautafeln, jede davon 6m² groß, nebeneinander aufwühlende Bilder des Holocausts und Bildern der heutigen Massentierhaltung. Sie wurde von einem jüdischen Philanthropen finanziert, der seit 25 Jahren mit bedeutenden jüdischen Organisationen zusammenarbeitet.

Die Ausstellung wurde insbesondere durch verschiedene jüdische Verbände scharf kritisiert. Der inzwischen verstorbene Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, kritisierte sie als [Zitat:] „menschenverachtend und […] eine Beleidigung aller Opfer des Holocaust […], die für diese Kampagne missbraucht werden.“ PETA weist dies klar zurück, die Absicht dieser Ausstellung bestehe darin, „die Menge der Grausamkeit auf dieser Welt zu verringern und nicht das menschliche Leid zu bagatellisieren, das während des Holocaust stattfand.“ Vergleiche des Holocausts mit der Haltung und Tötung von Nutztieren gibt es schon länger. „Wenn es um [Tiere] geht, wird jeder zum Nazi; für [sie] ist jeden Tag Treblinka“, das schrieb der jüdische Literaturnobelpreisträger Isaac Bashevis Singer in einer seiner Erzählungen. Die jüdische Schriftstellerin Sina Walden zitiert in ihrem Essay „Der verbotene Vergleich“ den Kirchenpräsidenten Matin Niemöller, der von 1938 bis '45 in verschiedenen KZs inhaftiert war: „Ich entsinne mich, dass ich während eines Urlaubsaufenthalts von 1967 im russischen Wald bei Cavidovo zum ersten Mal eine solche 'Hühnerfabrik' gesehen und besucht habe und dass mein erster Eindruck - und er hat sich später nie geändert - der war: das muss für die armen Tiere ja schlimmer sein als was wir im Konzentrationslager die Jahre hindurch haben ausstehen müssen.“ [Zitat Ende]

Auch innerhalb der Tierrechtsbewegung wurde und wird die Kampagne kontrovers diskutiert. Während das Internetportal _Tierdach.de_ von der „beste[n] und mutigste[n] Kampagne einer Tierschutz- bzw. Tierrechtsorganisation“ und vom „Aufruf zum Stopp am Holocaust an Tieren“ spricht, stellt die _Tierrechtsaktion Nord_ die „Singularität des Holocaust[s]“ heraus und kritisiert unter Anderem, „der von PETA angestellte Vergleich der Shoah mit der sytematischen Ermordung von Tieren in Schlachthöfen trenn[e] die Verbrechen der Deutschen während des Nationalsozialismus von ihrem historischen Zusammenhang.“ Die ausführlichen Argumentationen von Befürwortern wie Gegnern des Vergleichs sind im Internet verfügbar - die Links dazu findet Ihr auf unserer Website radio.tirm.de.


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