Online-Aktivismus und Veganismus

Aktivismus vs. Persönliche Profilierung

Gelegentlich wird in veganen Foren usw. kritisiert, dass einige Veganer sich den ganzen Tag lang nur im Internet herumtreiben und schlaue Reden schwingen, statt vor Ort aktiv zu werden oder konkretes in Sachen Tierrechte oder Tierschutz unternehmen. Was ist davon zu halten? Nun, zum einen stimmt es natürlich, dass die im Umfeld von Veganismus, Tierrechten etc. häufig anzutreffenden Schlammschlachten und Verleumdungskampagnen mit oder unter dann gern von gegnerischer Seite als „Online-Radikal-Veganer“ beschimpften Veganern niemandem etwas bringen. Um solche Ausfälle zu stoppen, muss sich die Einsicht durchsetzen, dass eine einheitliche Theorie nicht exisitiert und Veganismus & Co. so genannte „Querfrontthemen“ sind, die von den verschiedensten politischen Spektren oder Weltanschauungen aufgegriffen werden — zumindest bilden diese immer einen Hintergrund, der die jeweiligen Argumente und Vorgehensweisen stark beeinflusst.

Öffentlichkeit, Vernetzung und Diskurs

Zum anderen jedoch kann ein vernünftiger „Online-Aktivismus“ durchaus hilfreich dabei sein, den Veganismus individuell besser umzusetzen oder gesellschaftlich voranzubringen. So bietet das Internet Möglichkeiten, die eigenen Positionen z. B. über Ernährung oder Tierrechte gegenüber etablierten (und von den großen Medien regelmäßig bestätigten) Vorstellungen zu vertreten.

Es ermöglicht auch, Anhänger und Skeptiker des Veganismus zu treffen, sich miteinander auszutauschen und voneinander oder miteinander zu lernen — sei es über Speziesismus, Ethik, Ökologie oder was sonst noch so diskutiert wird. Dabei kann es nicht nur um das Auswendiglernen bekannter Argumentationsmuster gehen, sondern auch um ein Nachvollziehen der Argumente unterschiedlicher Strömungen. Speziesistische Denkweisen oder ernährungsbezogene Unsicherheiten lassen sich nicht von heute auf morgen am abbauen. Erst durch eigenes Nach- und Weiterdenken im offenen Diskurs können vage Gedanken vertieft und beurteilt werden. Wer das Internet nicht nur als Propaganda-Plattform begreift, sondern es für diesen offenen Diskurs nutzt, wird gute Chancen haben, dabei voranzukommen.

Gegenseitige Unterstützung

Zudem wäre Veganismus für auch anderweitig beschäftigte Menschen momentan kaum praktikabel, wenn jeder nur auf eigene Produktanfragen zurückgreifen oder Alltagsfragen nur einseitig anhand von Büchern oder „fertigen“ Texten beantworten könnte. Gerade in dieser schnellen, praktischen Unterstützung liegt eine der Stärken des Internet, in die sich weiter zu investieren lohnt. Nicht zu unterschätzen ist auch die gefühlsmäßige Sicherheit einer veganen (Online-) Gemeinschaft, vor allem für Menschen die in ihrer Umgebung nur auf Unverständnis stoßen.

Weitergehende Aktionen

Regelmäßig in Foren oder Mailinglisten anzutreffen sind darüber hinaus Aufrufe zu Petitionen, meist mit tierschützerischem Hintergrund. Hier deutet sich neben der Öffentlichkeitsarbeit, der Vernetzung und dem Austausch untereinander ein weiteres Feld von Online-Aktivitäten an: Aktionen, die sich direkt an oder gegen Beteiligte der Produktion und Konsumption von ethisch nicht vertretbaren Produkten wenden. Denkbar sind neben Petitionen auch Aktionen wie virtuelle Sit-Ins, elektronischer ziviler Ungehorsam, Denial-of-Service-Attacken, Online-Demonstrationen bis hin zum massenhaften Eindringen in Systeme und Manipulation von Servern (Hacktivism — man denke nur an die Umleitung der Nike-Homepage auf die Infoseite der Gruppe [http://www.s11.org/s14/nike_story.html S11], auf welcher über die ausbeuterischen Praktiken in den asiatischen Sweatshops des Konzerns berichtet wurde). Wenn Aktionen in der physischen Welt durch Gegenmaßnahmen verhindert werden oder die Prozesse selbst zum Teil in der virtuellen Welt ablaufen, sind Online-Aktionen möglicherweise gute Mittel, um Proteste dagegen zu unterstützen. Inwiefern die Methoden jedoch angemessen sind und welche Wirkung sie erreichen können, wäre sicher noch im einzelnen zu diskutieren.

  • copyriot.com - Online-Aktivismus: Vom virtuellen Sit-In bis zur digitalen Sabotage.