Mafia-Methoden in der deutschen Landwirtschaft
Zwei Dinge sind es, die Südoldenburg, im Norden unseres Landes gelegen, auszeichnen: Nirgendwo in Deutschland sind so viele Mercedes-Benz-Limousinen zugelassen wie hier, was zumindest verrät, daß man sich in diesem Landstrich aufs Geldverdienen versteht, und nirgendwo sonst auf der Welt wird die Tierproduktion so intensiv betrieben wie hier, was verrät, womit das Geld verdient wird. Doch die alte Weisheit, daß Geld nicht stinkt, stimmt in Südoldenburg schon lange nicht mehr, denn hier stinkt es fürchterlich, tagaus, tagein. Millionen Liter Hühner- und Schweinegülle fließen täglich aus den Ställen der Massentierhaltung, der Boden kann mit den Tierexkrementen längst nicht mehr fertig werden, das Grundwasser ist durch Nitrate verseucht. Dabei sollte Südoldenburg das Landwirtschaftsmodell der Zukunft werden. Aber seit die Viehhaltung hier industriell betrieben wird, steigen auch in dieser Musterregion die Arbeitslosenzahlen. Alle hatten geglaubt, bei dem großen Geldrausch kräftig mitverdienen zu können, doch allmälich wird den Bauern klar, daß ihre Landwirtschaft am Ende auf der Strecke bleiben wird - das goldene Geschäft machen nur ein paar Konzerne. Südoldenburg als Zukunftsmodell unserer Landwirtschaft - ein Beispiel, das jeden das Fürchten lehren kann.
(Verlag: Knaur. Jahr: 1984. Seiten: 236. ISBN 3-426-03723-8.)