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„Tiere empfinden keine Schmerzen!“ — Zum Begriff des Leidens

Dass nichtmenschliche Tiere körperliche Schmerzen empfinden, gilt aus biologischmedizinischer Sicht als erwiesen. Grundvoraussetzung für Schmerzempfinden ist ein zumindest rudimentär ausgebildetes Nervensystem, ein Nervensystem, über das alle Tiere verfügen. Ohne Schmerzempfinden hätten Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen auch ein hartes Los: Ist doch der Schmerz ein wichtiges Instrument, um aus Fehlern zu lernen. So wird ein Hase, der von einem Fuchs gebissen wurde, sich in Zukunft besser vor ihm in acht nehmen. Schmerzen sind also in der Natur unvermeidbar und sichern manchmal sogar das Überleben. Anatomische Merkmale wie Beobachtungen tierlichen Verhaltens können also belegen, dass nichtmenschliche Tiere körperliche Schmerzen empfinden.

Selbstverständlich gibt es Grenzfälle, wie beispielsweise Insekten: Die Frage, ob sie Schmerzen empfinden, liefert Biologen Stoff für hitzige Diskussionen, jüngste Indizien deuten jedoch darauf hin, dass Insekten über ein zu Wirbeltieren vergleichbares Schmerzempfinden verfügen: Denn ein Nervensystem, das auf physikalische Reize reagiert, scheint bei allen erforschten Insekten vorhanden zu sein.1) Auch Fischen wurde Langezeit kategorisch jedwedes Schmerzempfinden abgesprochen, bis Forschungen ergaben, dass sie auf schmerzhafte Behandlung so reagieren, wie andere Tiere auch — einschließlich des Menschen. Doch müssen wir wirklich erst durch Tierversuche fühlenden Individuen Schmerzen zufügen, um den wissenschaftlichen Beweis in den Händen zu halten, dass sie Schmerzen empfinden? Wir sollten im Zweifelsfall stets davon ausgehen, dass ein Individuum körperliche Schmerzen erleiden kann.

Untersuchen wir nun, ob nichtmenschliche Tiere ebenfalls psychisches Leid empfinden. In vielen Bereichen sind die Reaktionen unseren nächsten Verwandten, den Primaten, auf Angst– und Stresssituationen den unseren so ähnlich, dass sie für psychologische Tierversuche benutzt werden. Doch nicht nur sie empfinden psychisches Leid: Auch Beobachtungen von Tieren, die in Zoos zur Befriedigung menschlicher Neugierde gefangen gehalten werden, zeugen davon, dass nichtmenschliche Tiere nicht nur körperliche, sondern auch psychische Schmerzen wahrnehmen: Tiere hinter Gittern sind gelangweilt, laufen mechanisch auf und ab, verfallen oftmals sogar in selbstverletzendes Verhalten. Wenn dies nicht Ausdruck schwerer Depressionen ob ihrer Gefangenschaft ist — was ist es dann? Selbst Tierausbeutungsprofiteure und so genannte Zoologen sprechen hier von Hospitalismus oder „Käfig-Koller“.2)

Die Auswirkungen der Tierversklavung zeigen uns eines: Sie fühlen Angst, Stress — ja, sie leiden sogar unter Depressionen. So lassen sich in den Körpern ermordeter (geschlachteter) Kühe, Schweine, Hühner und vieler andere Spezies Adrenaline, Apomorphine und Histamine nachweisen, eben jene Hormone, die auch der menschliche Organismus bei Stress, Angst — ganz allgemein bei nervlicher Überbelastung ausschüttet.3)

Damit ist aus medizinischer Sicht nachgewiesen, dass nichtmenschliche Tiere empfindungsfähige Lebewesen sind, die unter psychischer Belastung leiden. Wir können also konstatieren: Nichtmenschliche Tiere sind empfindungsfähige Wesen, sie leiden gleichermaßen an körperlichen wie psychischen Schmerzen. Dies ist keine These, dies ist auch keine auf Indizien fußende Annahme — nein, hierbei handelt es sich um wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse. Erkenntnisse, die wir weder leugnen noch ignorieren dürfen.


<include „Gliederung zum Speziesismus“>


Ethik Tierrechte


Mir stellt sich dabei immer wieder die Frage: Können Pflanzen nicht auch leiden? Es gab Versuche, in denen festgestellt wurde, dass Pflanzen: 1. ihren Stoffwechsel verändern, wenn sie bedroht werden. (Ich glaube, es handelte sich um EKG-Elektroden, mit denen die Reaktion auf sich nähernde brennende Feuerzeuge festgestellt wurde.) - eine Form von Angst und Psychostress? 2. andere Pflanzen über Ausschüttung von Duftstoffen warnen, wenn sie angegriffen werden. - Also auch sie haben eine Sprache, wir Menschen können sie aber in noch geringerem Maße als solche identifizieren oder überhaupt erst wahrnehmen können als die Sprache der Tiere, z.B. Hundebellen. 3. Die Person wiedererkennen, die ihnen oder ihren Nachbarn physische (und vielleicht auch psychische?) Schäden zugefügt hat. - Haben sie also eine Art Gedächtnis?

Solche Ergebnisse bringen mich zum Nachdenken, ob wir mit dem Anspruch des Antispezieszismus nicht auch Pflanzen vor Ausbeutung schützen müssten. Nur, dass Pflanzen eben keine andere Spezies - wie im Vergleich von Rind und Mensch - sondern biologisch gesehen noch was ganz anderes sind, es gibt ja diese Einteilung von Lebewesen: Tier (inkl. Mensch) - Pilz - Pflanze… Aus der Sicht der o.g. Versuchsergebnisse wäre Veganismus ähnlich dem, dass mensch nur die nicht diskriminiert, die aus der selben Sprachfamilie stammen (für „Deutsche“ bedeutete dies: Ich schlage keine Dänen, aber Russen.)

Ich will damit nicht grundsätzlich gegen Veganismus sprechen (ich würde mich sogar selber als, naja, 95% vegan bezeichnen), aber ich habe die Sache einfach nur mal weiter gedacht…

– zimt 2005-03-26 01:02


Hej zimt, genau dieselbe Frage beschäftigt mich auch schon seit einiger Zeit, vgl. Künstliche Intelligenz. Woher wissen wir, dass z. B. Schmerz ausschließlich über ein zentrales Nervensystem übertragbar sein soll? Die Begründung, Pflanzen würden kein Leid empfinden, wird ja fast immer auf das fehlende zentrale Nervensystem zurückgeführt. Genauso könnte man schlussfolgern, dass Pflanzen nicht atmen, weil sie keinen Sauerstoff benötigen. Für mich ist sicher, dass Tiere Leid empfinden, aber alles andere als sicher, dass Pflanzen keines empfinden sollen.

– Tim 2005-03-26 02:40


Ein Einwand gegen die Theorie, dass Pflanzen fähig sind Schmerz zu empfinden: Es wäre für sie evolutionär nicht vorteilhaft! Schmerz ist doch nichts anderes als ein Warnsystem des Organismus, das ein Lebewesen bei Auslösung veranlasst zu flüchten oder sich zu verteidigen. Pflanzen können weder das ein noch das andere. Welche Vorteile böte ein Schmerzempfinden also für sie?

– Tom 2005-04-03 19:02


Dennoch sollte der Frage, ob pflanzen moralische Berücksichtigung erfahren müssen, mit mehr Sorgfalt nachgegangen werden.

– Tom 2005-04-03 19:05

leid.txt · Zuletzt geändert: 2011/08/15 20:55 (Externe Bearbeitung)