Unterschiede

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indien [2011/08/15 20:55] (aktuell)
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 +//Siehe auch [[Städte in Indien|Städte in Indien]].//
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 +=====  Ernährung ​  =====
 +Indien ist hauptsächlich vegetarisch,​ allerdings findet man mittlerweile überall auch Leichenteile in den Restaurantes und Hotels. ​
 +  * Ghee (geklärte Butter meistens vom Wasserbüffel) wird bei fast allen indischen Gerichten und auch im Haus z. B. als Brennstoff bei hinduistischen Ritualen verwendet. Ghee wird sehr oft zum Fritieren von Reis und Gemüse genommen. ​
 +  * Folgende Gerichte sind vegan, wenn man sie ohne Ghee bestellt:
 +      * Vegetable Polao: Gemüsereis mit Kümmel
 +      * Zeera aloo: Bratkartoffeln mit Kümmel ​
 +      * Chapati: Fladenbrot
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 +=====  Kulturelle Unterschiede ​  =====
 +  * Arrangierte Ehen
 +  * [[Kastensystem|Kastensystem]]
 +  * 
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 +=====  Wichtige Hinweise ​  =====
 +  * keine Impfungen nötig
 +  * Visum beim indischen Konsulat beantragen
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 +[[Ordner:​Reisen|Ordner:​Reisen]]
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 +=====  Ich war dort und so hat es mir gefallen ​  =====
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 +Ich wollte Indien kennen lernen weil es mir immer als sehr spirituelles,​ friedliches,​ freundliches und offenes Land beschrieben wurde. Ich wollte Kontakt mit der Kultur bekommen und etwas über Hinduismus und Buddhismus erfahren. ​
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 +=====  Positiv aufgefallen ​  =====
 +  * Ashrams (spirituelle Wohngemeinschaft in Dorfform): 3x täglich wird warm gekocht. Das Essen ist kostenlos und für jeden zugänglich. ​
 +  * Gurus (spirituelle Lehrer): Die meisten Gurus sind tatsächlich nicht an Geld interessiert und setzen sich sehr stark für Menschenrechte ein.  ​
 +  * Einkauf: Es ist möglich dort sehr günstigen und hochwertigen Schmuck zu bekommen.
 +  * Reisekosten (mit Außnahme des Fluges) sind minimal. ​
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 +=====  Negativ aufgefallen: ​  =====
 +  * weinende Frauen werden geschlagen, getreten, bespuckt und verjagt
 +  * Müll wird an Ort und Stelle liegen gelassen, es gibt keine Müllabfuhr
 +  * Tiere werden geschlagen, getreten, bespuckt und verjagt
 +  * keine Hilfsbereitschaft
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 +Ich würde keinem Tierrechtler empfehlen nach Indien zu reisen. Wer nicht an der Spiritualität interessiert ist, wird dort auf grausame und unbegreifliche Missstände stoßen wie z.B., daß man dort sehr rassistisch,​ sexistisch und speziesistisch ist. Es gibt abertausende Straßentiere und Menschen die hungernd, verkrüppelt,​ blutend oder sogar Tod auf der Straße liegen. Umweltschutz existiert praktisch gar nicht. Es ist auch etwas gewöhnungsbedürftig Stehtoiletten zu benutzen und anstatt Toilettenpapier nur die Hand und Wasser zu haben. (Klopapier selbst mitbringen!)
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 +=====  Fazit: ​  =====
 +Ich würde nicht mehr hin fliegen, außer um bei einem Hilfsprojekt mit zu arbeiten.
 +[[User:​Isabelle|Isabelle]] 2006-07-07 15:56
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 +Holala, unsere Erfahrungen gehen wirklich weit auseinander ... vieles hängt ja auch von den Erwartungen ab, mit denen man in ein solches Land fährt. Glaubst du, man könnte in einem Land wie Indien etwas verändern?
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 +lg,
 +[[User:​Peppermint|Peppermint]] 2006-07-10 17:42
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 +Nu, jetzt rate mal warum wir sooo gespannt auf Deinen Erfahrungsbericht warten ;-)
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 +Alles liebe
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 +Feilchen
 +[[User:​Feilchen|Feilchen]] 2006-07-10 18:14
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 +//​Diskussion vom [[rezepte::​Chai|Chai]]-Rezept hierher verschoben :)//
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 +Was Indien angeht: ja, dort vegan zu leben ist, trotz ganzer Orte in denen nur vegetarisch gekocht wird, wirklich nicht leicht. Ich habe dies so weit es ging versucht, aber es ist unmöglich - zum einen, weil es schwer ist, den tierlichen Zutaten zu entgehen (man denke nur an das Ghee) und die Kommunkation sprachlich wie kulturell oft schwierig ist, zum anderen, weil man in dieser völlig anderen Welt ja auch Erfahrungen machen möchte, und da ist das Essen für mich ein essentieller Bestandteil. Um so glücklicher bin ich, ein gewisses Lebensgefühl mit Rezepten wie Chai auf Sojamilchbasis in unsere Welt übertragen zu können ...
 +Wir haben in Indien oft gesehen, dass Kühe oder Ziegen besser behandelt wurden als viele Menschen der „niedrigen Kasten“. Nicht nur in der Altstadt von Mumbai stehen Rinder wohlgenährt mit Haufen frischen Grases an der Straßenecke,​ die von Händlern extra zum Zweck der Weitergabe an die Rinder an die wohlhabenderen Passanten verkauft werden. Daneben betteln ganze Familien, die nachts auf dem Bordstein schlafen und gar nichts abbekommen. In vielen ländlichen Gegenden, z. B. in Rajasthan, leben unzählige Menschen, die außer der Haltung von Ziegen und fast unbezahlter Arbeit z. B. in Steinbrüchen gar nichts zum Leben haben. Das Denken in Hierarchien,​ die extremen Unterschiede,​ sind dort bei weitem nicht allein an der Speziesgrenze festzumachen,​ und jeder der in diesem Land nicht als (trotzdem noch immer schon allein aufgrund der Hautfarbe priveligierter und der wirklichen Armut und Aussichtslosigkeit spottender) Asket sondern einfach als Bagpacker oder gar Pauschalreisender herumreist, wird dort unzählige Interessen verletzen: Kinderarbeit,​ unsagbare Arbeitsbedingungen auf dem Lande, in der Kanalisation,​ einfach überall. Und nun nicht nach Indien zu fahren würde an all dem nichts ändern, ebensowenig wie das Containern von in Indien oder anderen „weniger entwickelten Ländern“ produzierten C&​A-Klamotten m. E. etwas an den Bedingungen ändert, unter denen sie produziert wurden sind (außer noch mehr Kostendruck). Es gibt keine einfache Lösung, und trotz allem ist Indien ja immer noch ein verdammt aufregendes,​ schönes Land, und die Menschen haben etwas an unübertroffener Würde und Aufrichtigkeit.
 +[[User:​Peppermint|Peppermint]] 2006-09-13 21:44
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 +"​ebensowenig wie das Containern von in Indien oder anderen „weniger entwickelten Ländern“ produzierten C&​A-Klamotten m. E. etwas an den Bedingungen ändert, unter denen sie produziert wurden sind (außer noch mehr Kostendruck). "
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 +Und wenn Du z. B. mit dem Geld, was Du durchs containern sparst nur "​fair-traide-Produkte"​ kaufst die man sich sonst vielleicht nicht leisten könnte? ​
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 +Ps. Die Rezeptidee ist echt klasse!
 +[[User:​Feilchen|Feilchen]] 2006-09-14 11:15
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 +Also [[Fair Trade|Fair Trade]] ist schon ein überlegenswerter Ansatz, wenn er auf die Autonomie der Produzierenden hinwirkt ...
 +[[User:​Peppermint|Peppermint]] 2006-09-14 20:32
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 +//Was Indien angeht: ja, dort vegan zu leben ist, trotz ganzer Orte in denen nur vegetarisch gekocht wird, wirklich nicht leicht. Ich habe dies so weit es ging versucht, aber es ist unmöglich...//​
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 +Nein, ist es nicht. Da bin ich der besste Beweis für. Es geht auch mit Obst und Gemüse und zwar genau so gut wie in Deutschland. ​
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 +//...zum anderen, weil man in dieser völlig anderen Welt ja auch Erfahrungen machen möchte, und da ist das Essen für mich ein essentieller Bestandteil.//​
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 +Also würdest du auch in China Hunde und Katzen essen weil es ein essentieller Bestandteil der dortigen Kultur ist? Würdest du dir dann auch Stierkämpfe ansehen? ​
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 +//...und jeder der in diesem Land nicht als (...) Asket sondern einfach als Bagpacker oder gar Pauschalreisender herumreist, wird dort unzählige Interessen verletzen: Kinderarbeit,​ unsagbare Arbeitsbedingungen auf dem Lande, in der Kanalisation,​ einfach überall. Und nun nicht nach Indien zu fahren würde an all dem nichts ändern...//​
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 +Was? Das ist ja das Standardargument der Omnivoren um weiterhin Fleisch zu essen.
 +[[User:​Isabelle|Isabelle]] 2006-09-17 13:18
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 +//Nein, ist es nicht. Da bin ich der besste Beweis für. Es geht auch mit Obst und Gemüse und zwar genau so gut wie in Deutschland.//​
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 +Na dann hoffentlich nicht roh, da hättest du nämlich bei manchen Sachen ziemlich bald ein Problem.
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 +//Also würdest du auch in China Hunde und Katzen essen weil es ein essentieller Bestandteil der dortigen Kultur ist? Würdest du dir dann auch Stierkämpfe ansehen?//
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 +Nein. Stierkämpfe höchstens zur Dokumentation und am besten ohne Eintritt (freegan). Aber wenn du in Indien warst, solltest du eigentlich wissen, wie schwierig es z. B. ist, Ghee zu umgehen oder überhaupt herauszubekommen,​ ob es im Essen drin ist. Natürlich hätte man auch selbst kochen können, wenn man eine Küche gehabt hätte. In Indien gibt es keine Jugendherbergen wie bei uns. Vielleicht hätte man sich irgendwie zurechtmurkeln können, roh essen, Gasherd etc., aber stell dich in Indien mal auf die Straße oder setz dich in einen Park, und fang an etwas zu kochen. Du wirst innerhalb weniger Minuten umringt sein von Leuten. Es funktioniert einfach nicht.
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 +//Was? Das ist ja das Standardargument der Omnivoren um weiterhin Fleisch zu essen.//
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 +Die Diskussion hatten wir ein paar Tagen schon: [[Der perfekte Veganer|Der perfekte Veganer]]. Der falsche Schluss vieler Omnivoren besteht darin, einen bessereren aber nicht perfekten Gesellschaftsentwurf gleich ganz abzulehnen, statt die Verbesserungen anzunehmen und sich den dann verbleibenden Problemen zu stellen.
 +[[User:​Peppermint|Peppermint]] 2006-09-17 13:31
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 +Wenn du wieder einmal nach Indien reisen solltes, würde ich dir sehr gerne einige Tips geben um dort vegan zu bleiben. Wenn dein Körper kein tierisches Eiweiß gewöhnt war, hattest du bestimmt einige Verdauungsprobleme. Es gibt auch in ganz Indien vegane Ashrams und wenn du mit deinem Glauben argumentierst,​ sind die Inder die letzten, die das nicht respektieren. Es gibt dort genügend Religionsgruppen,​ die Veganismus praktizieren.
 +[[User:​Isabelle|Isabelle]] 2006-09-17 15:34
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 +Na gut, die Ashrams haben wir gesehen, sie waren allerdings meist auch nur „pure vegetarian“,​ also ohne Ei, aber mit Milch. Die Ashrams sind ein interessanter Aspekt Indiens, aber auch nur ein verdammt kleiner Ausschnitt, und ich denke dass man selbst bezüglich Religion und Spiritualität auf der Straße mehr lernen kann als im Ashram, zumindest, wenn man am Leben und nicht nur an der jeweils reinen Lehre interessiert ist. Wir haben ein paar Leute kennengelernt,​ die monatelang im Ashram gelebt haben, und danach von Indien eigentlich überhaupt keine Ahnung hatten („Kasten? Die gibt es doch gar nicht mehr?!“).
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 +Als Bagpacker ist es halt schwierig, weil man von Ort zu Ort reist, und nicht wirklich selbst kochen kann. Frühstück und Snacks vegan lassen sich ohne Weiteres selbst organisieren,​ aber warme Mahlzeiten ohne Ghee bekommt man kaum. Und vier Monate von veganer Rohkost leben halte ich nicht durch, zumal du von einigen Sachen (alles, was wie z. B. Salat auf Feldern gedüngt wird) echt die Finger lassen solltest. Wenn du für solche Situationen Tipps hast: nur her damit, da würden sich bestimmt auch andere Leute drüber freuen. Es ist ja auch nicht so, dass mir diese Konflikte nicht unangenehm gewesen wären. Darauf sollte jeder gefasst sein, der nach Indien oder in ähnliche Länder geht. Du kommst kaum raus aus der Konsumentenrolle,​ verletzt fast ununterbrochen Interessen, viel stärker als hier. Das Problem ist, dass du dabei oft in einem ethischen Dilemma steckst. Ich würd das gern weiter diskutieren,​ wenn das hier nicht zu weit führt, meine Erkenntnis jedenfalls resultierte darin, dass man beim nächsten Mal für längere Zeit an einem Ort bleiben und eine NGO unterstützen sollte, welche wirksame strukturelle Veränderungen anstrebt. Auch diesbezüglich wäre ich für Tipps dankbar, da dort viele NGOs nur Symptome behandeln oder schlicht Etikettenschwindel sind.
 +[[User:​Peppermint|Peppermint]] 2006-09-17 19:56
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