Tierhäute finden als Rohstoff in vielen Lebensbreichen Anwendung. So sehr wohl den allermeisten Menschen die Vorstellung zuwider läuft, menschliche Haut in Produkten jedweder Art verarbeitet zu wissen, so selbstverständlich verwenden sie Produkte aus den Häuten anderer Tiere. Ganz offensichtlich muss ein fühlendes Lebewesen dafür ermordet werden, dass seine Haut abgezogen, gegerbt und als Textil benutzt werden kann. Das ist aus gerechtigkeitssuchender Perspektive abzulehnen: jedes Tier möchte ein freies Leben führen, kein Tier lässt sich freiwillig seine Haut abziehen.
Doch mensch muss nicht einmal antispeziesistisch ambitioniert sein, also hinsichtlich der Ethik keine Unterschiede in der Behandlung von Menschen und anderen Tieren machen, um den Konsum von Tierhäuten abzulehnen: Vegetarier möchten nicht, dass empfindungsfähige Lebewesen für sie ermordet werden – viele, wenn nicht sogar die meisten tragen jedoch „Lederschuhe“, „Lederjacken“; kurzum, sie sehen „Leder“ als in jedweder Hinsicht als tragbar an. Wie ist diese paradoxe Einstellung zu erklären?
Ein Rind wird nicht ausschließlich ermordet, damit sein Körper verspeist werden kann. Auch seine Haut wird wirtschaftlich als „Leder“ genutzt, und finanziert somit das lohnende Geschäft mit dem Tiermord. Der Verkauf von Häuten für die Lederproduktion ist maßgeblich am Gewinn beteiligt – nach Ermittlung von Cowles-Hamar sind es in England rund 10%. Obschon die konkrete Zahl für Deutschland nicht zwangsläufig repräsentativ sein muss, lässt sich dennoch aus ihr ableiten, welch wichtiges Wirtschaftsgut „Leder“ für die Fleischindustrie ist.
Als edel gilt besonders weiches „Leder“ – weiches „Leder“ kann nur aus einer weichen Haut gewonnen werden. Einer weichen Haut, wie etwa Kälbchen sie besitzen. Teilweise werden sogar bewusst Frühgeburten herbeigeführt, um ein besonders weiches „Leder“ zu erhalten. Unmittelbar nach ihrer Geburt werden die Kälbchen ermordet. Folgerichtig werden viele Kälbchen hauptsächlich als Lederlieferanten benutzt, und ihren Müttern wird die für ihr Baby vorgesehene Muttermilch weggenommen um daraus ebenfalls Kapital zu schlagen. Sind sie nach einigen Jahren „ausgelaugt und verbraucht“ werden auch sie zu Leder, Tiernahrung und weiteren „Produkten“ verarbeitet. Milch zu trinken und Leder zu nutzen haben also beide die selben interessenverletzenden Auswirkungen für die betroffenen Tiere.
Weiterhin werden einige Spezies ausschließlich für die Lederproduktion ermordet, so z.B. Krokodile, Zebras und Robben.
Doch selbst wenn die Rechtfertigungen der ledertragenden nicht ins Reich der Märchen und Mythen gehörten, „Leder“ tatsächlich ein Abfallprodukt der Fleischindustrie wäre, so findet sich dennoch keine moralische Rechtfertigung für den Lederkonsum: Wer Tierhäute trägt, degradiert Tiere auf eine Funktion als Rohstoff, und trägt die Akzeptanz der Ausbeutung von Tieren im wahren Sinne des Wortes auf die Straße. Ob Rind oder Mensch, alle Tiere teilen das Bedürfnis auf Freiheit und Unversehrtheit, wir stehen in der moralischen Verantwortung diese Bedürfnisse zu achten. Ebenso wie wir nicht das Recht haben einen Menschen gegen seinen Willen zu enthäuten und zu „Leder“ zu verarbeiten, haben wir auch nicht das moralische Recht, anderen Tieren das gleiche anzutun.“
(Größtenteils übernommen von: http://www.anti-speziesismus.de/leder.html, allerdings mit kleinen Änderungen, Kürzungen, Erweiterungen.)
Sind wir nicht fähig die Bedürfnisse anderer Lebewesen zu respektieren? Sind wir so gefühllos, dass wir sie „züchten“ (kontrolliert vergewaltigen und schwängern), ein Leben lang quälen, um sie dann mit Haut und Haar zu verbrauchen?
Alternativen gibt es z. B. in Veganshops. Auch viele Großkonzerne bieten lederfreie Schuhe, Jacken, Handtaschen usw. an, allerdings sollte man auch hier beachten das Menschenausbeutung nicht unter anderer Tierausbeutung steht und „billig“ bedeutet oft, dass andere für ihre Leistung kaum genug erhalten, um ihr eigenes Leben zu unterhalten. (Importe aus Billiglohnländern, Kinderarbeit usw.)
Der Mensch befindet sich im biologischen Nahrungskreislauf und es ist ein Zufall, dass er gerade an der Spitze derselben steht. Sein Überlebenstrieb ist der gleiche, wie der eines Krokodils, das sicher nicht darüber nachdenkt, dass die Antilope, die es gerade reissen will, ein Kalb grosszuziehen hat. Dass der Profit manche Menschen krank im Kopf werden und ihn Schlachtmaschinen im grossen Stil bauen lässt, ist ein psychologisches Problem, das meiner Meinung nach grundsätzlich vom menschlichen Grundinstinkt zu unterscheiden ist. Sonst müsste man sich über jede Fliege, die man totschlägt, Gedanken machen.
Das tun aber die Zellen in unserem Körpergewebe ganz gewiss nicht, sie schlagen Alarm, wenn ein durch eine Fliege ubertragenes Bakterium in den Körper eindringt und die Leukozyten denken auch nicht lange nach, wenn das grosse Fressen für sie beginnt. Gottseidank.
Die Menschliche Gier, die Sucht immer schneller viel Geld zu verdienen ist, wie gesagt, zu unterscheiden, von dem, was der Mensch eigentlich in der Natur ist. Ein Säugetier. Als solches in einem hypothetisch intakten Naturgefüge, wäre es völlig unsinnig und verantwortungslos, ein Tier zu töten und nicht alles verwertbare zu benutzen….auch als Lederschuh. Man müsste den Menschen nur klarmachen, dass es auch anders geht. Eventuell sollte jeder in seinem Leben einmal ein Tier selbst schlachten und essen, bzw. verwerten. Ich denke, dann wäre vieles anders, auch im Sozialgefüge.
– Kroetoman? 2006-05-01 09:58
Du hast Recht Kroetoman, wenn einmal die Entscheidung gefallen ist, Tiere zu fressen und zu nutzen, dann ist es auch nur konsequent, dies gänzlich zu tun. Ebenso wird ja auch im Artikel argumentiert, nur eben mit umgekehrtem Vorzeichen: es spielt für die Tiere keine Rolle, ob ihre Milch getrunken oder ihr Leder gekauft wird, beides trägt zu den selben inakzeptablen Zuständen bei, denn beides verletzt in den allermeisten Fällen einseitig Interessen. Ich denke auch nicht, dass z. B. Leder ohne Schlachtmaschinen viel „humaner“ von Tieren gewonnen werden kann. Und weder das eine, noch das andere hat mit Psychologie oder Instinkten zu tun. Die Entscheidung, ob Tiere oder unter welchen Umständen Tiere genutzt werden, lässt sich anhand objektiver Feststellungen und subjektiver Bedürfnisse rational treffen. Hier jedenfalls werden Interessen verletzt, obwohl gute Alternativen zu Leder leicht verfügbar sind. Peppermint 2006-05-02 19:14