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diskursive_wirkung

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diskursive_wirkung [2011/08/15 20:55] (aktuell)
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 +=====  Diskussion ​  =====
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 +//​Diskussion übertragen aus einem Dialog auf [[Unmoralisch sind immer nur die anderen|Unmoralisch sind immer nur die anderen]].//​
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 +//Der andere Punkt ist die [[Diskursive Wirkung|Diskursive Wirkung]]: jemand der im Park ein (freeganes) Salamibrötchen isst, sendet kontinuierlich die non-verbale Botschaft: „ich akzeptiere den Konsum1 tierlicher Produkte als normal“.//​
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 +Kurzer Gedankeneinwurf von mir: Das gleiche Problem habe ich auch, wenn ich ein Tofusalamibrötchen esse. Solange niemand weiß, dass es sich um Tofusalami handelt, sende ich die gleiche Botschaft.
 +[[User:​http://​veganismus-blog.de|Tom]] 2006-09-12 22:56
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 +Prinzipiell hast du Recht: nicht immer lassen sich diskursive Botschaften eindeutig übermitteln. Das Beispiel mit der Tofusalami ist sicherlich grenzwertig - von weitem sieht man den Belag nicht, von näher dran dann schon eher, wobei Tofu meist doch etwas anders riecht und aussieht als Salami (Räuchertofu schon wieder weniger), andererseits Veganer meist ja auch noch Salat oder andere Verdüren mit drauf tun, was bei manchen Omnivoren ja schon genügt um in die „Vegetarierecke“ geschoben zu werden. Bei vielen anderen Lebensmitteln ist die Lage allerdings eindeutiger,​ und wenn man im Freundeskreis oder bei Bekannten ist oder auf Arbeit oder in der Mensa oder auf dem Wagenplatz oder im Infoladen, dann fällt den anderen schon auf ob man nur Gemüse und Soja isst, oder eben „normal wie alle anderen auch“.
 +Ein anderes Beispiel mögen [[gebrauchsgüter::​Schuhe|Schuhe]] sein. Im [[http://​www.veganladen.de/​|Veganladen]] in Berlin gibt's zum Beispiel ein paar Schuhe, die aussehen wie Lederschuhe,​ ziemlich elegant - und zu manchen Klamotten passen solche Schuhe halt doch eher als die üblichen Turnschuhe. Nun macht es zwar schon einen Unterschied,​ ob man im Gespräch darauf verweisen kann, die Schuhe wären auch ohne tierliche Bestandteile hergestellt,​ oder nicht. Aber die meisten Signale werden auch hier non-verbal, ohne Gespräche übertragen,​ und ohne besondere Merkmale übermitteln eben auch diese „veganen“ Schuhe die Botschaft, man würde den Gebrauch von Tieren und ihrer Haut als normal empfinden, akzeptieren,​ unterstützen.
 +Die Schlussfolgerung daraus wäre aber nicht, die diskursive Wirkung dem Zufall zu überlassen oder als unabänderlich zu betrachten, sondern nach Wegen zu suchen, die übermittelten Signale den gewünschten eigenen Aussagen anzupassen. Bei Schuhen beispielsweise könnte ich mir zum Beispiel ein dezentes [[V-Label|V-Label]] vorstellen, oder einen symbolischen grünen Schnürsenkel. Nur so als Idee.
 +Ich bin der Auffassung, dass die diskursive Wirkung stärker als politische oder ökonomische Handlungen das Denken von uns allen beeinflusst,​ und in der Lage ist, gesellschaftliche Situationen zu festigen, oder auch sie aufzubrechen und [[Fortschritt|Fortschritt]] zu ermöglichen.
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 +lg,
 +[[User:​Peppermint|Peppermint]] 2006-09-13 21:03
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 +Da hast Du sicher recht. Ich trage z. B. immer einen Anti-Pelz-und-Leder-Button zu nicht offensichtlich vegan hergestellter Kleidung. Die Sachen können noch so korrekt sein, aber wenn man dies nicht deutlich machen kann glauben die Leute was sie wollen. Genau so kann man sich aber auch einen Veganer oder Freeganer butten anstecken oder aufnähen oder was auch immer um diese Signale zu geben. ​
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 +Die Kehrseite ist nämlich die, wenn Du nur an Deinem Möhrchen knabberst implizierst Du auch keine sonderliche Lebensqualität. Meine Nachbarn hingegen wissen das wir Pizza essen. Die Kinder trinken den Kakao und essen die "​Wurstbrote"​. Jeder der bei mir ist weiss sofort wo er dran ist und wer nicht lesen kann wird verbal aufgeklärt. Da kommt keiner auf die Idee es könnte was tierisches sein. (Im Gegenteil, eine häufige Ausrede ist doch entweder "​darauf kann ich aber nicht verzichten"​ oder aber "das ist mir aber zu teuer"​.) So könnte es aber auch mit containerten Sachen ablaufen ohne das falsche Signale gesetzt werden. ​
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 +Leute die etwas schlecht machen wollen finden immer was, entweder essen wir veganer nur Grünzeug, oder stehen insgeheim ja doch auf Leichen wegen der Alternativprodukte...
 +[[User:​Feilchen|Feilchen]] 2006-09-14 11:32
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 +//Veganer oder Freeganer butten anstecken oder aufnähen oder was auch immer um diese Signale zu geben.//
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 +Sorry, aber mich erinnert das ein bisschen an den Judenstern.
 +[[User:​Unbekannt|Unbekannt]] 2006-09-14 14:15
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 +Öhem, wie wäre es mit einer "​umgekehrten"​ Blindenbinde?​ Nach dem Motto, ich sehe die Realität, ihr verschließt die Augen? Der Judenstern wurde den Menschen aufgedrückt,​ aber wenn man sich als jüdischer Mensch einen Davidstern um den Hals hängt ist daran nichts verkehrtes. Gothiks outen sich mit dem Pentagram, was soll daran schlimm sein zu zeigen wo man steht und was man richtig findet? Ich bin froh wenn die ganzen Fußballdeppen ihre Deutschland-Fahnen raushängen,​ dann weiß ich gleich auf welches Niveau man sich einzustellen hat ;-) 
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 +Aber zurück zum Thema: REDEN und ZEIGEN ist wichtig, nicht rumlammentieren was andere falsch machen sondern positives vorleben ist angesagt!
 +[[User:​Feilchen|Feilchen]] 2006-09-14 18:32
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 +> Sorry, aber mich erinnert das ein bisschen an den Judenstern.
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 +soll das eine billige polemik sein oder meisnt du das ernst? ich denke mal, dass es einen unterschied gibt, sich selbst in eine schublade zu stecken oder durch zwang stigmatisiert zu werden.
 +[[User:​yetzt|yetzt]] 2006-09-14 18:49
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 +Ich fänd es noch interessant,​ ein wenig darüber nachzudenken wie man positive Signale non-verbal ausstrahlen kann. Die Buttons sind bei Kleidung zweideutigen Materials bestimmt ganz hilfreich, sonst aber meiner Erfahrung nach eher in der „Szene“ wirksam als anderswo ...
 +[[User:​Peppermint|Peppermint]] 2006-09-17 20:14
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 +Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass (zumindest die kleinen) Buttons von vielen nicht wahrgenommen werden. Genau wie bei den Stickern an Laternenpfählen u.ä. (kennt ihr auch oder?) gucken meist nur die hin, die es interessiert und eh schon bescheid wissen.
 +[[User:​zymth|zymth]] 2006-09-18 02:55
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 +Wenn die Symbolik zu subtil ist, wie etwa die grünen Schnürsenkel,​ wird sie wahrscheinlich von nur wenigen bewusst wahrgenommen und von noch wenigeren auch richtig gedeutet. Wer schaut denn schon Menschen so genau auf die Schuhe?
 +[[User:​Tom|Tom]] 2006-09-18 11:52
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 +Ja, das ist das nächste Problem ... hängt aber auch wieder stark vom Kontext ab. In einer feineren Gesellschaft,​ wo alle nur in Schwarz oder Nadelstreifen gekleidet sind, fällt ein grüner Schnürsenkel auf vermeintlichen Lederschuhen schon auf. Oder wenn mehrere Leute in einer Gruppe einen grünen Schnürsenkel tragen ... ich denke auch nicht, dass es ein allgemeingültiges Rezept für soetwas gibt. Wichtig ist es meines Erachtens, zu schauen, wie die Leute auf bestimmte non-verbale Aussagen reagieren ...
 +[[User:​Peppermint|Peppermint]] 2006-09-19 20:30
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diskursive_wirkung.txt · Zuletzt geändert: 2011/08/15 20:55 (Externe Bearbeitung)