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Umwelt

Das Ergebnis einer Studie, die foodwatch am 25. August 2008 in Berlin präsentiert hat: Die Landwirtschaft in Deutschland verursacht annähernd soviel klimaschädliche Gase wie der Straßenverkehr, nämlich 13 Prozent der Treibhausgase insgesamt. Sowohl konventionelle als auch ökologische Landwirtschaft tragen dabei erheblich zum Treibhauseffekt bei. Die ökologische Landwirtschaft verursacht zwar rund 15 bis 20 Prozent weniger Treibhausgase. In der Milch- und Rindfleischproduktion schneiden Bio-Bauern aber teilweise schlechter ab als konventionelle Tierhalter. Wer Bioprodukte kauft, ernährt sich deshalb nicht automatisch klimaschonend. Wichtiger für die persönliche Klimabilanz ist, wieviel Rindfleisch und Milchprodukte ein Mensch isst.

Die Landwirtschaft bietet enorme Möglichkeiten für den Klimaschutz: Der Ausstoß an Treibhausgasen könnte um 60 Prozent gesenkt werden, das wären 80 Millionen Tonnen CO2 jährlich. Die einfachste Maßnahme wäre der Stopp der Nutzung von Moorböden. Schon allein dadurch ließen sich 30 Prozent der Treibhausgase einsparen. Weitere 20 Prozent würde die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft bringen. Um den Treibhausgas-Ausstoß aber langfristig um insgesamt 60 bis 80 Prozent zu senken, müsste die Produktion von Fleisch und Milch gesenkt werden, denn vor allem die Rinderhaltung ist sehr klimaschädlich. Um die enormen Einsparmöglichkeiten in der Landwirtschaft zu nutzen, reicht es nicht, wenn jeder persönlich Konsequenzen zieht und weniger Fleisch und Milchprodukte isst. Die Politiker sind aufgefordert, die Regeln zu ändern: Die Agrarpolitik muss Teil der Klimapolitik werden. http://www.foodwatch.de/kampagnen__themen/klima/klimastudie_2008/index_ger.html Das Bio-Siegel enthält keine Kriterien im Hinblick auf Energieverbrauch oder Ausstoß von Treibhausgasen. Wer Bioprodukte kauft, ernährt sich deshalb nicht automatisch klimaschonend. Wichtiger ist die eigene Ernährungsweise, insbesondere die Menge des besonders klimaschädlichen Rindfleisch- und Milchkonsums. Die Landwirtschaft in Deutschland emittiert mit 133 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, fast ebensoviel Treibhausgase wie der Straßenverkehr. 71 Prozent oder 94 Millionen Tonnen verursacht die Tierhaltung, deutlich mehr als die Hälfte davon die Rindfleisch- und Milchproduktion. 29 Prozent oder 39 Millionen Tonnen entstammen dem Anbau von Pflanzen für Nahrungsmittel. Trotz dieser hohen Treibhausgasmengen ist die Landwirtschaft nicht Teil der deutschen (oder europäischen) Klimapolitik. Die Bundesregierung begründet dies damit, dies sei nicht notwendig, weil es sich bei der Entstehung von Treibhausgasen in der Landwirtschaft um „natürliche Prozesse“ handele. Das Ausmaß der Treibhausgase in der Landwirtschaft beruht jedoch nicht auf „natürlichen Prozessen“, sondern wird durch die von Menschen gewählten Produktionsmethoden und durch die Ernährungsweise der Konsumenten bestimmt.

Treibhausgase können um 60 Prozent reduziert werden

Wegen des großen Potentials, Treibhausgase in der Landwirtschaft zu reduzieren, muss die Landwirtschaft unbedingt Teil der deutschen und europäischen Klimapolitik werden. Zu diesem Zweck müssen konkrete Reduktionsziele formuliert werden. Bei konsequenter Umstellung der Landnutzung, ökologischer Produktionsweise und einer Verringerung des Konsums von Fleisch und Milchprodukten lassen sich die Treibhausgase der Landwirtschaft um etwa 80 Millionen Tonnen oder 60 Prozent reduzieren. Das Klimaziel der Bundesregierung sieht vor, bis 2020 in allen Wirtschaftssektoren (außer der Landwirtschaft) 270 Millionen Tonnen pro Jahr einzusparen. Auf das beträchtliche Einsparpotential der Landwirtschaft darf keinesfalls verzichtet werden.

Umweltabgaben statt Subventionen

Die anstehende Reform der Europäischen Agrarpolitik muss klimapolitisch ausgerichtet werden. Das bestehende Subventionssystem fördert über Flächenprämien die landwirtschaftliche Produktion undifferenziert und ist extrem klimaschädlich. Das Subventionssystem muss abgeschafft und durch ein System von Umweltabgaben und Emissionssteuern ersetzt werden. Die Steuern oder Abgaben müssen auf die Emissionen der Treibhausgase sowie auf den Einsatz klimarelevanter Inputs (Mineraldünger, Pflanzenschutzmittel) erhoben und gleichermaßen auf Ökolandbau und konventionelle Landwirtschaft angewendet werden. Die Landwirtschaft in den Emissionshandel mit einzubinden, ist nicht praktikabel. Zu unterschiedlich sind die Emissionen der einzelnen Betriebe. Die Emissionsmengen variieren stark in Abhängigkeit von den jeweiligen Unterschieden in der Tierhaltung, den Bodenbedingungen und anderen Faktoren.

Der Preis klimaschonender Landwirtschaft: Teures Fleisch

Die geforderten Umweltabgaben, die die Subventionen ablösen sollen (siehe oben), werden insbesondere zu einer Verteuerung von Rindfleisch und Milchprodukten und zu einem entsprechenden Rückgang der Nachfrage führen. Der Verbrauch von Schweine- und Geflügelfleisch, die generell viel weniger klimaschädlich sind, würde dagegen ansteigen. Ein signifikanter Rückgang des Konsums und der Produktion von Fleisch sowie der Vergeudung von Fleisch hätte aber nicht nur negative, sondern auch positive Auswirkungen, nämlich auf die menschliche Ernährungsweise in Deutschland, die auf einem zu hohen Fleischkonsum beruht. Allerdings muss die Sozialpolitik gewährleisten, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, sich angesichts höherer Nahrungsmittelpreise ausgewogen und ausreichend zu ernähren.

Bei höheren Fleischpreisen würde der Konsum deutlich zurückgehen. Es gab diesbezüfglich schon Petitionen, die gefordert haben, Fleischsubventionen zu streichen, damit der Wettbewerb gerecht sei.

Im Dezember 2003 hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Regierungen empfohlen, Zucker, Salz und Fett höher zu besteuern. Außerdem sollten sie in Schulen gesundes Essen und mehr Sport anbieten und gegen die ausufernde, auf Kinder zugeschnittene Werbung für Essen und Trinken vorgehen. Anfang dieses Jahres wurde eine dänische Studie vorgestellt, die das Gewicht von 30.000 Dreizehn- bis Fünfzehn-Jährigen aus den USA, Israel und 13 europäischen Ländern verglich. Demzufolge leben die dicksten Kinder in den USA, die dünnsten in Litauen und deutsche Teenager gewichtsmäßig im Mittelfeld. Schuld an der Leibesfülle der US-Teenager sind laut Studie Fastfood wie Hamburger und Pizza, Zwischenmahlzeiten aus Kartoffelchips und Schokoriegeln sowie Bewegungsmangel. Litauens Jugend sei schlank, weil Fastfood & Co. dort fehlten, mutmaßen die Autoren der Untersuchung.