Definition

Als Tierschutz werden alle Aktivitäten bezeichnet, die dem Ziel dienen, Tieren ein Leben ohne unnötige Leiden, Schmerzen und Schäden zu ermöglichen. Der Tierschutz steht dabei zum einen im Widerspruch zu den Interessen der „Nutzung“ von Tieren, beispielsweise in der Landwirtschaft oder Forschung, da diese regelmäßig mit einer Schädigung der Tiere verbunden ist. Zum anderen steht der Tierschutz der Idee der Tierrechte entgegen, wenn er die bestehenden Verhältnisse nur modernisiert, statt sie gänzlich infrage zu stellen.

Vom Artenschutz unterscheidet sich der Tierschutz durch die Zielrichtung: geht es beim Artenschutz darum, den Bestand von Tierarten beziehungsweise der Artenvielfalt zu erhalten, so zielt der Tierschutz auf das einzelne Tier und seine Unversehrtheit ab.

Abgrenzung zu Tierrechten

Tierschützer ohne tierrechtlerische Ambitionen

Tierschutz kann zum einen als Abgrenzung, zum anderen als Erweiterung zu den Tierrechten aufgefasst werden. Tierschützer ohne tierrechtlerische Ambitionen sind nicht mit den momentanen Tierhaltungsbedingungen einverstanden: sie setzen sich gegen Legebatterien, lange Transportzeiten und Qualzüchtungen ein. Sie möchten die Tierausbeutung reformieren, sie jedoch nicht abschaffen. Die „Nutzung“ von Tieren lehnen sie nicht generell ab, sondern agieren gegen solche Formen der „Nutzung“, die sie für moralisch nicht vertretbar halten. Viele Tierschützer leben daher auch nicht vegan, bevorzugen jedoch die vegetarische Ernährung oder auch „Biofleisch“.1)

Tierschutz als Ergänzung zu Tierrechten

Darüber hinaus gibt es auch Vertreter der Meinung, den Tieren Rechte zu geben sei nicht genug, sondern diese benötigten angesichts der herrschenden Verhältnisse zusätzlichen aktiven Schutz. Diese Auffassung von Tierschutz ist häufig bei Veganern zu beobachten, für die im Schützen und Ausbeuten oder gar Essen von Tieren ein Widerspruch besteht.

Tierschützer, die sich auch die Tierrechte auf die Fahnen geschrieben haben, ließen sich auch als weniger radikale Tierrechtler, oder als Tierprotektionisten bezeichnen. Sie werden von radikaleren Tierrechtlern kritisiert, weil das Prinzip der „Nutzung“ von leidenden Individuen durch den Menschen dadurch eher bestätigt2) denn infrage gestellt wird (vgl. Diskussion auf Tierrechte vs. Tierschutz).

Dieser unterschiedliche Grad an Radikalität zwischen Tierrechtlern und Tierschützern, die sich auch für Tierrechte einsetzen, spiegelt sich oft auch in unterschiedlichen Vorgehensweisen ihrer jeweiligen Anhänger wieder. Die Frage der Radikalität (für die ganze Freiheit aller Individuen, oder nur für die Verbesserung der Lebensbedingungen) allein legt die Methoden jedoch noch nicht fest - sowohl Tierschützer als auch Tierrechtler können sich dogmatisch oder undogmatisch, aus einer elitären oder einer gleichrangigen Weltanschauung heraus für ihre Ziele einsetzen.

Tierschutzthemen

In ähnlicher Struktur könnten auf der Seite Tierrechte die Tierrechtsthemen erläutert werden, um die Unterschiede deutlicher zu machen.

„Haustiere“

Neben offensichtlichen Fällen (mutwilliger Tierquälerei, Aussetzen von Tieren, grober Vernachlässigung) spielt hier die nicht „artgerechte“ Haltung die Hauptrolle. Obwohl domestizierte Tiere weitgehend an das Leben mit dem Menschen angepasst wurden, haben sie doch auch Mindestansprüche an ihre Lebensbedingungen: neben passender Ernährung vor allem ausreichende Bewegungsmöglichkeiten, Beschäftigungsangebote und ein ausreichender Sozialkontakt zu Artgenossen oder zumindest ersatzweise zum Menschen. Besonders problematisch ist die private Haltung von nicht domestizierten Wildtieren. Diese stellen Haltungsansprüche, die ohne ausreichende Sachkenntnisse und ausreichende materielle Mittel kaum erfüllbar sind.

Zu den Inhalten des Tierschutzes gehört auch die Betreuung verwilderter Haustiere, etwa Katzen oder Tauben. Diese Tiere sind als Nachfahren domestizierter Haustiere nicht oder nur bedingt fähig, für sich selbst zu sorgen.

Landwirtschaft

Besonders in der industriell betriebenen Landwirtschaft, in der sich die Bedingungen von Zucht, Haltung, Ernährung, Transport und Schlachtung unter Berufung auf wirtschaftliche Notwendigkeit am Maßstab maximaler Produktivität orientieren, sind Defizite gegenüber den Forderungen einer tierschutzgerechten Haltung vorgegeben.

Eine tierschutzgerechte „Nutztierhaltung“ orientiert sich an den biologischen Merkmalen und Bedürfnissen der jeweiligen Tierart. Soziale Tiere werden in entsprechenden Gruppen gehalten. Die Umgebung ist strukturiert und biete artgerechte Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Ernährung der Tiere erfolgt gemäß ihren Anforderungen, und ohne Zusätze von prophylaktischen Medikamenten und Antibiotika. Es wird auf traditionelle, gesunde „Haustierrassen“ zurückgegriffen. Schlachtungen erfolgen regional, lange Tiertransporte werden vermieden. Die Schlachtung erfolgt unter Betäubung und nicht im Akkord.

Zucht

Die Zucht auf maximale Leistung artet oft in Qualzucht aus: „Legehennen“, die nach einem Jahr Haltung bei höchster Legeleistung „verbraucht“ sind und geschlachtet werden, Puten mit so schnellem Fleischzuwachs, dass das Skelett die Muskelmassen der Brust nicht tragen kann, „Milchkühe“, die auf Kosten ihrer Gesundheit mehrere tausend Liter Milch im Jahr geben, sind einige Beispiele.

Haltung

In der Tierhaltung entstehen Probleme durch die Ausrichtung auf industrielle Produktionsmethoden. Als erstes fällt die Reduzierung des Lebens- und Bewegungsraumes auf ein Minimum auf: „Legehennen“ in Käfigbatterien haben etwa die Fläche eines A-4-Blattes zur Verfügung, Säue stehen in Boxen von 200×65 cm, in denen sie sich nicht drehen können, Rinder werden angebunden gehalten.

Hinzu kommt die Ausrichtung der Haltung auf minimalen Arbeitsaufwand: „Käfighennen“ stehen auf Drahtgittern, durch die der Kot fällt, Schweine und Rinder werden auf Vollspaltenböden gehalten, durch die sie ihre Fäkalien treten müssen, sie stehen in den Ausdünstungen (unter anderem Ammoniak und Schweflwasserstoff) über der Fäkaliengrube, hinzu kommt ungenügende Beleuchtung.

Folge dieser Bedingungen sind gesundheitliche Schäden: Verletzungen der Füße, Verformungen des Skeletts und verkümmerte Muskulatur, Erkrankungen innerer Organe und nicht zuletzt Infektionen, denen man durch Zugabe von Antibiotika und prophylaktischen Medikamenten beizukommen sucht.

Zudem können die Tiere ihre natürlichen Verhaltensweisen nicht ausleben: eine „Käfighenne“ zum Beispiel kann weder sandbaden, noch sich zum Legen auf ein Nest zurückziehen, sie kann nicht laufen, nicht mit den Flügeln schlagen und auch nicht nach Futter scharren.

Auch das angeborene Sozialverhalten der Tiere wird ignoriert: eine Muttersau muss im Jahr 24 Ferkel zur Welt bringen (bis sie nach 2,5 Jahren diese Leistung nicht mehr erbringen kann und geschlachtet wird). Die Ferkel werden viel zu früh von der Mutter abgesetzt und mit konzentriertem Kraftfutter und Einsatz von Antibiotika in 160 Tagen zur Schlachtreife gebracht.

Folge dieser Haltungsbedingungen sind häufig Verhaltensstörungen: die Tiere verletzen sich selbst oder ihre Artgenossen. Um solche Schäden zu vermeiden, werden ohne Betäubung Ferkeln die Schwänze abgeschnitten und die Eckzähne abgeschliffen, Kälbern die Hörner entfernt oder Hühnern die Schnäbel gekürzt.

Tiertransporte

Für Tiertransporte innerhalb Deutschlands ist eine maximale Zeit von acht Stunden gestattet, für Tiertransporte ins Ausland gibt es bei Einhaltung regelmäßiger Zwischenstationen keine zeitliche Beschränkung. Die Subventionierung von Lebendtier-Exporten fördert noch immer Transporte quer durch Europa.

Tiertransporte stellen für die Tiere einen erheblichen Stress dar. Daher fordern Tierschützer, sie auf ein Minimum zu beschränken, das heißt, die Schlachtung sollte im nächstgelegenen Schlachthof oder direkt vor Ort erfolgen.

Schlachtung

Die Schlachtung von Tieren hat hierzulande unter vorheriger Betäubung und ohne „unnötige“ Schmerzen und Leiden zu erfolgen. Dies ist bei der Schlachtung im Akkord praktisch nicht zu gewährleisten. Gegenstand (nicht nur) von Tierschutzdiskussionen ist zudem das betäubungslose Schächten.

Pelze

Noch mehr als z. B. bei der Ernährung dient die „Pelztierhaltung“ ausschließlich der Befriedigung des menschlichen Bedürfnisses nach Luxusartikeln. Sämtliche als „Pelztiere“ gehaltenen Tierarten (überwiegend Nerze, Füchse, Chinchillas und Nutrias) sind Wildtiere, und für die in Pelztierfarmen praktizierte Käfighaltung ungeeignet. Sie leiden unter diesen Bedingungen an Verhaltensstörungen und körperlichen Schäden.

Um die Pelze bei der sogenannten Ernte nicht zu beschädigen, werden die Tiere unter erheblichen Leiden überwiegend durch Stromstöße, Giftinjektionen oder Gas getötet. Nach der deutschen Schlachtverordnung ist nur die Tötung durch Kohlenmonoxid zulässig, bei der die Tiere qualvoll ersticken.

Aus Asien (vor allem Thailand, Korea und China) kommen auch Pelze von Hunden und Katzen auf den deutschen Markt. Häufig findet man sie unter Fantasienamen wie Gaewolf, Asian Wolf oder Asiatischer Waschbär (Hund) bzw Genotte, Goyangi oder Housecat (Katze).

Aus der Sicht des Tierschutzes ist die Pelztierhaltung abzulehnen.

Jagd

Kritisch wird aus der Sicht des Tierschutzes die Jagd beurteilt. Zum einen betrifft dies den Kreislauf zwischen der Hege, die zu hohen Beständen an jagdbarem Wild führt, die wiederum zu erheblichen Schäden in der Forst- und Landwirtschaft führen — während gleichzeitig die Beutekonkurrenten als „Raubzeug“ rücksichtslos bekämpft werden — und der daraus abgeleiteten Notwendigkeit zum Abschuss des Wildes. Weiterhin kann das Aussetzen faunenfremder Arten (beispielsweise Fasane) zu einer Bedrohung der heimischen Tierarten werden. Der Jagd fallen stets auch bedrohte Tierarten zum Opfer, insbesondere bei der Jagd mit Fallen, aber auch durch Fehlabschüsse. Kritisiert wird ebenfalls der systematische Abschuss von angeblich wildernden Haustieren (schätzungsweise 500.000 Katzen und 50.000 Hunde pro Jahr). Schließlich ist bei der Jagd auch das angst- und schmerzfreie Töten der Tiere nicht gesichert.

Einige Tierschützer lehnen die Jagd auch nicht grundsätzlich ab, sondern fordern lediglich eine Reform des Bundesjagdgesetzes, wie sie auch vom Ökologischen Jagdverband angestrebt wird.

Zoo und Zirkus

An eine „artgerechte“ Haltung von Wildtieren sind besonders hohe Anforderungen zu stellen, da diese nicht durch Domestikation an das Leben in menschlicher Obhut angepasst sind. Daher ist die Haltung von Wildtieren grundsätzlich bedenklich.

Die Haltung von Wildtieren in Zirkussen und die Dressur zu meist artfremden Verhaltensweisen wird deshalb aus der Sicht des Tierschutzes abgelehnt.

Auch in vielen Zoos werden Tiere nicht „artgerecht“ gehalten. Häufig wird von Tierschützern die Zurschaustellung der Tiere abgelehnt. Kritisiert wird auch die Zucht von Jungtieren, deren weiterer Verbleib nicht gesichert ist und die teilweise getötet werden. Andererseits vermitteln Zoos den Besuchern Erlebnisse mit Tieren und Kenntnisse, die sie für den Gedanken des Tierschutzes gewinnen können. Einige Wildtierarten wären zudem ohne die Zuchtprogramme in den Zoos längst ausgestorben.

Unterhaltungsindustrie

Filme mit Tieren als Helden sind beim Publikum beliebt. Aus der Sicht des Tierschutzes ist zu bemerken, dass in solchen Filmen Tiere oft mit Gewalt oder Manipulation zu bestimmten Verhaltensweisen gezwungen, und zudem vermenschlicht werden, so dass die Zuschauer unrealistische Erwartungen an ihre „eigenen“ Tiere haben. Bedenklich ist auch der Einsatz von Wildtieren in Filmen, weil sie danach meist nicht mehr mit Artgenossen sozialisierbar sind.

Besonders drastische Tierquälerei wie den Stierkampf mit kulturellen Traditionen begründen zu wollen, kann aus Sicht des Tierschutzes nur abgelehnt werden.

Tierversuche

Tierversuche werden damit gerechtfertigt, dass sie dem Wohle der Menschen dienen. In Tierversuchen wird die potentielle Schädlichkeit sowie die medizinische Wirksamkeit von Stoffen erprobt, werden Krankheiten in ihren Ursachen und ihrem Verlauf erforscht, Operationsmethoden getestet und grundsätzliche Erkennntnisse über die Funktionen des Körpers gewonnen. Dabei werden den Tieren teilweise erhebliche Leiden, Schmerzen und Schäden zugefügt. Daher ist aus Sicht des Tierschutzes anzustreben, dass die Zahl der verwendeten Tiere und das Maß ihrer Schädigung auf ein Minimum gesenkt wird. (Demgegenüber ist die Zahl der „verbrauchten“ Versuchstiere in Deutschland von 2.100.000 im Jahr 2001 auf 2.200.000 im Jahr 2002 angestiegen.)3) Wo es möglich ist, müssten Tierversuche durch alternative Methoden ersetzt werden. Ergebnisse wären auszutauschen, wenn dies die geltende Gesetzeslage zuließe, damit Mehrfachuntersuchungen vermieden würden. Auch der Wert der durch Tierversuche gewonnenen Erkenntnisse ist umstritten. So wurde beispielsweise Contergan im Tierversuch als unbedenklich eingestuft, während etwa Acetylsalizylsäure (Aspirin) für viele Tiere giftig ist.

Besonders in der Kritik stehen die Haltungsbedingungen bei der Zucht der „Versuchstiere“ und in den Labors, viele Versuchsmethoden (beispielsweise der LD50-Test) und auch Versuche, deren Sinn für das Wohl des Menschen sich nicht erschließt.

Seit der Aufnahme des Tierschutzes in das Grundgesetz können Tierversuche von der zuständigen Behörde auch abgelehnt werden

Tierschutzaktivismus

Methoden, Beurteilung nach Art und Wirksamkeit innerhalb der Ziele des Tierschutzes

Der Welttierschutztag wurde 1950 vom Welttierschutzbund zum jährlichen „Tag des Tieres“ erklärt, und erinnert damit an den heiligen Franz von Assisi, der als Gründer des Franziskanerordens unter anderem wegen seiner Tierpredigten berühmt und volkstümlich wurde.

Organisationen

die wichtigsten kurz erwähnen und beschreiben, ansonsten auf die Weblinks verweisen

Quellen

  • Wikipedia:Tierschutz - Grundlage für diesen Artikel.

Diskussion

Die „Reformer“ im Tierschutz unterscheiden sich vom ethisch motivierten Tierrechtler mitunter in der Vorgehensweise: Überfordert so mancher Tierrechtler mit seinen ethisch-philosophischen Ansätzen den Konsumenten, den es ja zu überzeugen gilt, versuchen die „Tierschutz-Reformer“ über Mitleid mit dem Tier die Menschen zum Veganismus zu bewegen. So würde ein „Reform-Tierschützer“ niemals einen Vegetarier „Mörder“ nennen - auch wenn es so ist. Wichtiger als die eigene Verwirklichung sind dem „Reform-Tierschützer“ die tatsächliche Umsetzung der Ziele, so dass er sich Gedanken über eine möglichst effektive Strategie macht, welche die natürlichen Unzulänglichkeiten des Menschen, des Konsumenten, also der Zielgruppe ausreichend berücksichtigt.

  • Sorry, aber das ist mir zu pauschal. Tendenziell würden radikale Tierrechtler sicher auch radikalere Methoden wählen. Dass nun aber ausgerechnet Ethik auf der einen Seite und Mitleid auf der anderen Seite stehen sollen, halte ich für weit hergeholt. Die Vegetarier-Debatte (und sicherlich auch die um den Holocaust-Vergleich) hat meines Erachtens mehr mit der Frage von Militanz und Dogmatik denn mit Radikalität zu tun. Den von Dir angedeuteten Schluss, radikale Tierrechtler wären auch militanter (verbale Gewalt, z. B. „Vegetarier sind Mörder“) oder dogmatischer (Selbstdarstellung wichtiger als tatsächliche Umsetzung der Ziele), halte ich für nicht allgemeingültig. Ich hab den Satz daher mal allgemeiner formuliert: Dieser unterschiedliche Grad an Radikalität zwischen Tierrechtlern und Tierschützern, die sich auch für Tierrechte einsetzen, spiegelt sich oft auch in unterschiedlichen Vorgehensweisen ihrer jeweiligen Anhänger wieder.

Genau wie die Sklavenhaltung niemals dadurch beendet worden wäre, indem man den Sklavenhaltern/Sklavenhändlern ethisch philosophisch die Menschenrechte erläutert hätte, so wird auch die Tierausbeutung nicht durch ethisch philosophische Argumente beendet werden. Wenn sie (nahezu) beendet ist, erst dann wird Mensch den ethisch philosophischen Betrachtungsweisen zustimmen.

  • Kleiner Hinweis: die Sklavenhaltung wurde nicht beendet, sondern lediglich in den meisten Staaten gesetzlich untersagt. Es gibt nachwievor auch menschliche Sklaven, auch in Europa, etwa aus Osteuropa verschleppte Frauen und Kinder, die in den westlichen Ländern zur Prostitution gezwungen werden. Damit relativiert sich Dein Hinweis. Wirklich beendet werden kann Sklaverei nur, wenn die Menschen sich ändern, nicht die Gesetze. Dazu gehören Information (z. B. über den Menschenhandel und den Zusammenhang zwischen der Nachfrage durch Freier auf der einen und den Verschleppungen und Gefangenhaltungen auf der anderen Seite), die Verbreitung gewisser moralischer Vorstellungen sowie der Wille, etwas zu verändern. Information, Moral und Kaufkraft wären für mich auch die Kriterien, bei denen man aus tierrechtlicher Sicht ansetzen müsste, was weder ethisch-philosophische Argumente, noch Mitleid erregende Dokumentationen ausschließt.

Diese Tierschützer lehnen nur besonders grausame Formen der Tierausbeutung ab — was besonders grausam ist, bestimmen sie nach eigenem Ermessen.

  • Das stimmt. Allerdings bestimmen auch alle anderen nach eigenem Ermessen, was sie grausam (bzw. moralisch für inakzeptabel) halten, und was nicht. Natürlich wird von offizieller Seite (Staat, Medien, Religion usw.) versucht, „objektive“ Maßstäbe für moralische Vorstellungen zu entwerfen. Letztlich kann allerdings nur jeder für sich selbst entscheiden, was er mit seinem Gewissen und seiner Moral vereinbaren kann, und was nicht. Die Verantwortung dazu an diejenigen zu übergeben, die im öffentlichen Diskurs den Ton angeben, würde bedeuten, sich freiwillig in eine Abhängigkeit von Interessengruppen zu begeben, deren Ziele eigenen moralischen Auffassungen nicht selten widersprechen würden.

Frühere Diskussion

Verschoben aus der gelöschten Seite „RubrikTierschutz“.

Der Unterschied zwischen Tierrechten und Tierschutz

Ja… dann machen wir doch eine Rubrik draus! Einfach unter alle mit Seiten mit Bezug zu Tierschutz, Tierrechten, Tierrechtsbewegung „RubrikTierschutz“ schreiben. Ein Klick auf die Hauptüberschrift Überschrift listet dann all diese Seiten auf.


Ich halte es nicht für angebracht, Tierschutz und Tierrechte als zwei gleiche Geschwister in einer Rubrik zu nennen. Tierschutz bedeutet, ausbeuterische Strukturen zu reformieren, anstatt sie abzuschaffen. Tierrechte hingegen sind analog zu Menschenrechten zu verstehen: Ebenso wie Menschen sollten nichtmenschliche Tiere Träger von Grundrechten sein, die jedwede Ausbeutung und Versklavung ausschließen.

  • Tierschutz bedeutet größere Käfige. Tierrechte bedeuten gar keine Käfige.
  • Tierschutz bedeutet keine Qualzüchtungen. Tierrechte bedeuten gar keine Züchtungen.
  • Tierschutz bedeutet Bio-Eier. Tierrechte bedeuten gar keine Eier.
  • Tierschutz bedeutet Bio-Milch. Tierrechte bedeuten gar keine Milch.
  • Tierschutz bedeutet Bio-Fleisch. Tierrechte bedeuten gar kein Fleisch.
  • Tierschutz bedeutet „artgerechte“ Tierhaltung. Tierrechte bedeuten Freiheit.

—- (Note von Wolfram: Milch ja, aber die Milch der Rinder-Kuh nur für ihr Kälbchen, die der Elefantenkuh nur für ihr Elefantenbaby, die der Maus für ihre Mäusebabys und die Milch der Menschenmutter nur für ihre Säuglinge, denn selbst fremde Milch innerhalb der selben Spezie ist schon nicht mehr optimal etc.)

  • Wobei die „Optimalität“, also die Korrespondenz der Milch zum Lebewesen, nur imho nur ein Nebenargument sein kann.

—- Intention des Tierschutzes war ursprünglich noch nicht einmal, das Leiden der nichtmenschlicheren Tiere zu lindern. Was auf den ersten Blick paradox anmuten mag, erweist sich bei genauerer Betrachtung als logische Konsequenz: Wenn ich Leiden eines Individuums lindern möchte, setzt dies unweigerlich meiner Erkenntnis über seine Leidensfähigkeit voraus. Weiterhin muss ich es als Unrecht erkennen, ein leidensfähiges Individuum zu peinigen – bestünde doch sonst keine Notwendigkeit, sein Leiden, seine Schmerzen, seine Pein zu lindern. Aber: Wenn ich es als Unrecht empfinde einem nichtmenschlichen Tiere als leidensfähige Kreatur Leid zuzufügen, warum möchte ich dann nur das Leid lindern? Der einzig logische und ethisch einwandfreie Schluss bestünde doch darin, dem leidensfähigen Individuum kein Leid mehr anzutun! Hauptanliegen des gutbürgerlichen Tierschutzes ist es, dass Menschen beim Konsum von Fleisch, Eiern, Milch und anderen tierlichen „Produkten“ ihre natürlichen Schuldgefühle beiseite wischen können. Schon in archaischen Zeiten war es üblich, sich bei den erlegten Tieren durch religiöse Rituale zu entschuldigen. Eine ähnliche Aufgabe erfüllt heute der Tierschutz.

Natürlich könnten wir die These vertreten, Tierschutz würde in unserer Gesellschaft nur falsch praktiziert und der wahre, der richte Tierschutz fiele zusammen mit den Tierrechten. Entgegen zu halten ist dem jedoch zweierlei: Zum einen ist es wichtig uns als Tierrechtler von dem gutbürgerlichen Tierschutz abzugrenzen, um erst gar keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Zum anderen ist dem Begriff Tierschutz immanent, dass andere Tiere vor dem Menschen beschützt werden müssen. Kann dies unser Ziel sein? Wollen wir für eine Gesellschaft kämpfen, in der Tiere unseres beständigen Schutzes bedürfen? Eine Welt, in der wir ständig über das Wohlergehen der nichtmenschlichen Tiere wachen müssten? Wo bestünde denn dann der Unterschied zum Status quo?

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es auch vor dem Hintergrund einer antispeziesistischen Gesellschaft immer wieder von Nöten sein wird, die Rechte auf Leben und Freiheit einzelner nichtmenschlicher Tiere zu verteidigen. Schließlich werden auch in unseren Tagen Menschen ermordet, vergewaltigt und ausgebeutet – doch das Gros der Bevölkerung ist über jeden Zweifel erhaben, dass solche Verhaltensweise Unrecht sind. Die Missachtung der aktuell verbrieften Menschenrechte stellt ein Kapitalverbrechen dar, darüber besteht in breiten Schichten der Weltöffentlichkeit Konsens. Wobei mir an dieser Stelle die Randbemerkung gestattet sei, dass vielen Menschen offensichtlich nicht bewusst ist, in welcher Tragweite ihr Konsumverhalten – keine fair gehandelten Produkte – sowie unser kapitalistisches Wirtschaftssystem – hohe Zinslast, Geld wichtiger als Waren - verantwortlich für die Ausbeutung der so genannten dritten Welt sind. Nichtsdestotrotz ächten es die meisten Menschen als schlimmes Verbrechen, andere Menschen in Ketten zu legen, zu töten oder zu vergewaltigen. Die Ermordung eines Menschen ist in unseren Breiten die Ausnahme, nicht die Regel. Wir sprechen von Menschenrechten und nicht von Menschenschutz, weil wir nicht permanent uns oder unsere Nächsten vor unseren Mitmenschen beschützen müssen. Darum muss unsere Forderung auch Tierrechte statt Tierschutz lauten, denn selbst wenn das persönliche Verständnis von Tierschutz Ausbeutung und Mord von nichtmenschlichen Tieren gänzlich ausschließt, ist ein beschütztes Tier noch immer ein Tier ohne Rechte. Es darf nicht zu unserer Aufgabe werden, bis zum Aussterben des Menschen unsere Schützende Hand über alle anderen Tiere zu halten! Unsere Aufgabe ist es für eine Welt zu kämpfen, in der Tiere ein vom Menschen unberührtes Leben in Freiheit führen können – ein Leben als eigenständige Individuen.

Wer sich für den Tierschutz stark macht, setzt sich für größere Käfige, kürzere Transportzeiten, „humanere“ Schlachtungen. Wer für einen radikaleren Tierschutz kämpft, kämpft für eine Welt, in der Tiere niemals frei sein werden!

Weitere Informationen unter: http://www.anti-speziesismus.de/


Zu den Rubriken: klingt vernünftig :) Ich würde vorschlagen, wir legen erstmal zwei Grundlagentexte an „Tierrechte“ und „Tierschutz“, und verwenden dann einfach diese beiden Begriffe (einzeln oder zusammen) als Kategorisierung für darauf aufbauende Seiten. Das wäre auch insofern sinnvoll, als dass z. B. das Wort Tierschutz dann ja auch automatisch verlinkt wird und bei Verwendung als Definition hinterlegt ist. Deinen Text mit der Erklärung der Unterschiede find ich gut (wenngleich da noch ein paar Fragen wären.. :), wir könnten ihn ja erstmal auf „Tierrechte“ kopieren und diese Seite hier fallenlassen…

Ich hatte mich mit den Unterschieden noch gar nicht so intensiv befasst, weil ich mich bisher zwar als ethisch motivierter Veganer ansehe, aber nicht (primär) als Tierrechtler oder -schützer identifiziere…

Zum Thema Tierrechte (kann dann mit dorthin verschoben werden): hab ich das richtig verstanden, dass Du Tierschutz als Ziel zwar ablehnst, aber Verbesserungen (z. B. Freilandhaltung statt Legebatterie) zumindest teilweise auch positiv bewertest (solange dabei Dein eigentliches Ziel der Tierrechte weiterhin verfolgt wird)? Oder lehnst Du das ganz ab?

Und es gibt aber auch Leute, die sich als Tierrechtler identifizieren, aber Tierschutz für sich allein genommen bereits gut finden?


Ziele zur Verbesserung die Gefangenhaltungsbedingungen lehne ich kategorisch ab und setze mich stattdessen abolotionistisch gegen jedwede Tierausbeutung ein - dies kann natürlich im schlimmsten Fall vorerst zur einer marginalen Verbesserung der Haltungsbedingungen führen. Es sollte nur nie unser erklärtes Ziel sein, uns proaktiv für eine reformierte Gefangenhaltung oder eine „humanere“ Tötung (welch Oxymoron, denn was könnte schon inhumaner sein, als der Mord an einem fühlenden Wesen?) von nichtmenschliche Tieren einzusetzen.

Wobei an dieser Stelle auch nicht unerwähnt bleiben sollte, dass sich die Freilandhaltung einzig und allein durch die Tatsache von der Boden- und Legebatteriehaltung unterscheidet, dass die Hühner größere Gefängnisse und ein wenig Freigang haben. Sie sind jedoch genauso (Qual)Züchtungen - jede Züchtung ist eine Qualzüchtung - wie ihre Leidensgenossen in der Legebatterie. Männlichen Kücken werden ebenso so vermust, zermahlen oder zermatscht. Und wenn die Hennen weniger Eier legen, werden sie ermordet - auch hier unterscheidet sich die Freilandhaltung nicht von der Legebatterie.

Eisenketten mit Samtbezügen machen keine Sklaverei weniger schlimm!

Danke für die Anmerkung. Habe den Text entsprechend korrigiert.

– Tom 2004-09-28 16:45 UTC


Siehe auch:


Tierschutz Tierrechte


1) Die meisten Veganer stimmen nicht mit der Ansicht überein, allein der Verzicht auf Fleisch oder die „artgerechte Haltung“ von Tieren würde deren Situation merklich verbessern.
2) „Das waren doch glückliche Kühe, dann können wir sie doch auch essen?!“
3) Quelle?