Definition

Tierrechtler berufen sich auf den Gedanken des Antispeziesismus, der besagt, dass sich Tiere über kein moralrelevantes Kriterium vom Menschen abgrenzen lassen. Aus Sicht der Tierrechtler haben Tiere die gleichen Bedürfnisse nach Freiheit und Unversehrtheit wie der Mensch — und gleiche Bedürfnisse sollten gleichermaßen berücksichtigt werden: So fordern Tierechtler die gleichen Grundrechte — also das Recht auf Freiheit, Leben und Selbstbestimmung — für Menschen und alle „anderen“ Tiere. Vor diesem Hintergrund leben Tierrechtler selbstverständlich vegan, lehnen also sowohl Konsum als auch Gebrauch von jedweden Tierausbeutungsprodukten ab.

Da ein persönlicher Verzicht auf Tierausbeutungsprodukte allein nicht die Welt verändern kann, setzen Tierrechtler auf Aufklärungsarbeit, Demonstrationen oder auch direkte Aktionen, die von Jadgstörungen bis hin zu Tierbefreiungen reichen. Tierrechtler möchten ausbeuterische Strukturen gänzlich abschaffen, nicht reformieren.

Der Begriff „Recht“

Positives Recht

Für Verwirrung sorgt oft die Frage, wie der Begriff „Recht“ überhaupt definiert wird. So gibt es durchaus Initiativen1)), die darunter die gesetzliche Festschreibung von Regeln verstehen, welche sich auf den Umgang mit Tieren beziehen (juristisches Recht, positives Recht). Tierrechte stehen dabei zunächst erstmal nur für einen gesetzlich verordneten Tierschutz, dessen Nichteinhaltung zu sanktionieren ist. Dazu stellen sich jedoch einige Fragen: Wie kann ein Tier im Falle des Missbrauchs Anklage erheben? Wie sollen sich Tiere vor menschlichen Richtern und Gesetzen verteidigen? Können überhaupt alle wesentlichen Ansprüche von Tieren in Gesetzen erfasst werden? Soll es demnächst auch ein Asylrecht für Tiere aus anderen Ländern geben? Dürfen Tiere an der Formulierung der Gesetze mitwirken? Dürfen sie sich auch selbst zur Wahl stellen, um neue Gesetzesvorschläge einbringen zu können?

Es scheint, ein gesetzlich vorgeschriebener „vernünftiger Umgang“ mit Tieren könnte zwar die Lebensbedingungen einiger Tiere verbessern, würde jedoch deren Rolle als dem Menschen unterlegenes Objekt nicht infrage stellen. Schließlich ist es kaum vorstellbar, dass diese Gesetze gemeinsam mit den Tieren ausformuliert und diskutiert würden. Selbst bei juristischer Gleichstellung mit dem Menschen ist eine Gleichbehandlung in einem vom Menschen gesetzten, realisierten und beurteilten System nahezu undenkbar.2) (Vgl. Tierschutz)

Überpositives Recht

Die häufiger anzutreffende Variante sieht „Rechte“ primär als elementare Interessen und Bedürfnisse von Individuen an, welche, soweit es nicht die eigenen Interessen zu sehr bedroht, zu respektieren sind (grundlegendes Recht, überpositives Recht). Problematisch an dieser Auffassung ist, dass die Feststellung der Interessen nicht-menschlicher Lebewesen mangels gemeinsamer Sprache meist von der Interpretation des Menschen abhängig bleibt. Zudem setzt sie voraus, dass die Individuen dazu in der Lage sind, ihre jeweiligen Interessenskonflikte selbständig miteinander auszutarieren. An der Existenz dieser Bedürfnisse und der Notwendigkeit, diese zu wahren, ändert das jedoch nichts (vgl. Leid, Bewusstsein). Tierrechte können in diesem Zusammenhang auch als Erweiterung einer liberalen oder libertären Weltanschauung auf alle (fühlenden) Lebewesen angesehen werden.

Zum Verhältnis von Tierrechten zu Menschenrechten

Menschenrechte sind ein Phänomen der menschlichen Gesellschaft. Die Gesellschaft vergibt diese Rechte nicht nur an ihre Mitglieder, sondern sie schützt sie auch vor Rechtsverletzungen und dient als Schlichter bei Interessenkonflikten. Rechte können nur von Menschen vergeben werden, von keiner anderen Spezies sonst. Und Menschen können als einzige Spezies ihre eigenen Rechte proklamieren und einfordern.

Es stimmt zwar, dass nicht alle Träger von Menschenrechten auch Rechte einfordern oder einhalten können (z.B. Säuglinge oder schwer geistigbehinderte Menschen), aber auch diese Menschen sind Mitglieder der Gesellschaft aller Menschen. Von daher ist es auch nicht schwer zu bestimmen, welche Rechte derartige Mitglieder der menschlichen Gesellschaft haben sollten, da der (durchschnittliche) Mensch seine eigenen Rechte ja kennt. Und selbst da entstehen ab und an Probleme – z.B. gibt es Uneinigkeiten bei der Frage, ob Säuglinge bereits ein absolutes Recht auf Leben haben wie erwachsene Menschen (Abtreibungs- und Euthanasieproblematik).

Tiere dagegen sind KEINE Mitglieder der menschlichen Gesellschaft – von Haus- und Nutztieren eventuell abgesehen, aber gerade die soll es ironischerweise nach der Meinung vieler Tierrechtler in Zukunft nicht mehr geben. Von daher ist es hier umso schwerer zu klären, welche Rechte Tiere überhaupt haben sollten und nach welchen Kriterien. Man müsste sich da zwangsläufig „irgendwie“ an den Rechten von Menschen orientieren. Die Gefahr der Willkür ist groß. Und wenn man Menschen als Vorbild nimmt, ergeben sich Probleme. Beispielsweise haben geistigbehinderte Menschen ein Recht auf pädagogische Förderung - was im übrigen ein einfaches Beispiel dafür ist, dass Rechte nicht unbedingt auf Interessen ihrer Rechtsträger beruhen müssen, da viele schwer geistigbehinderte Menschen kein eigenes Interesse an pädagogischer Förderung haben. Bei Schimpansen dagegen wäre ein solches Recht völlig sinnlos, trotz der hohen Intelligenz der Menschenaffen, die sogar die Fähigkeiten mancher schwer geistigbehinderten Menschen übertrifft. Der bei vielen Tierrechtlern beliebte Vergleich zwischen geistigbehinderten Menschen und Tieren hinkt also. Schimpansen sind NICHT Teil der menschlichen Gesellschaft. Schimpansen haben genauso wenig ein Interesse an pädagogischer Förderung wie viele schwer geistigbehinderte Menschen. Die Gesellschaft ist der Grund, warum beide in diesem Punkt - trotz offensichtlicher Ähnlichkeit, was beispielsweise die Intelligenz angeht - verschiedene Rechte haben. Man darf also nicht ausschließlich das einzelne Individuum zur Klärung seinen moralischen Status betrachten, sondern muss auch zwangsläufig seine Zugehörigkeit zu der ihm angeborenen Gesellschaft in die Überlegung miteinbeziehen. Somit können beispielsweise Schimpansenrechte definitiv nicht nach völlig identischen Kriterien vergeben werden wie Menschenrechte. Tierrechte in einen Topf mit Menschenrechten zu werfen ist Humbug!

Darüber hinaus wären Tierrechte noch aus einem anderen Grunde problematisch. Wenn nämlich beispielsweise wenigstens die meisten höheren Wirbeltiere Rechte nach dem Vorbild der Menschenrechte besitzen würden, ergäbe sich das Problem, dass Rechtsbruch zur Regel werden würde. Warum? Wie schon oben gesagt sind Menschenrechte ein Phänomen der menschlichen Gesellschaft, und die Gesellschaft schützt ihre Mitglieder vor Rechtsverletzungen. Rechte sollen geschützt werden, insbesondere Grundrechte wie das Recht auf Leben oder auf körperliche Unversehrtheit. Wer aber schützt die Rechte von Tieren in der Wildnis, die überhaupt keine Berührung mit der menschlichen Gesellschaft haben? In der freien Natur wäre der Schutz der Rechte von wilden Tieren weder denkbar, noch sinnvoll. Da es auf der Welt mehr Tiere als Menschen gibt, hätten wir hier den grotesken Fall, dass die Rechte der meisten Rechtsträger gar nicht garantiert und geschützt werden würden. Die Einhaltung von Rechten würde zur absoluten Ausnahme werden. Das Wort „Recht“ würde auf diese Weise völlig seinem Sinn verlieren!

Für Pinguine in der Antarktis oder Fische im Atlantik, die mit Menschen nie in Berührung kommen, würde es beispielsweise GAR NICHTS verändern, wenn man ihnen ein Lebensrecht zusprechen würde. Für Menschen und ihr Verständnis von Recht hätte es dagegen durchaus Konsequenzen. Es würde nämlich dazu führen, dass die Verletzung von Rechten sich nicht nur vermehren, sondern sogar zur alltäglichen Regel werden würde. Das würde „Recht“ nach meinem Verständnis zu einer Phrase machen.

Hätten nicht nur die meisten höheren Wirbeltiere, sondern ALLE Tiere Rechte, hätten wir sogar den noch groteskeren Fall, dass nicht mal die Menschen in der Lage wären, die Rechte der Rechtsträger einzuhalten, da jedes - auch noch so gutgemeinte - Leben immer und zwangsläufig mit dem Leid und Tod anderer Lebewesen verknüpft ist. Die Rechte von Menschen lassen sich dagegen durchaus einhalten.

Angesichts dieser Problematik scheint mir die Idee, Tieren (unverletzliche und unveräußerliche) Rechte nach dem Vorbild der Menschenrechte zuzusprechen, äußerst fragwürdig – was aber natürlich nicht heißt, dass es keine andere Wege geben kann, Tiere vor menschlicher Willkür zu beschützen und ihr Leid und ihren Tod durch menschliche Hände angemessen zu berücksichtigen. Es geht im Grunde nur im menschliches Handeln Tieren gegenüber. Wäre es da nicht angebrachter, von menschlichen Pflichten anstatt von Tierrechten zu sprechen? (Den Tieren kann es ja sowieso egal sein, wie man es nennt…)


Siehe auch:


Grundlagen Tierrechte


Diskussion

Tierrechte in ...

Wie sieht das eigentlich mit den Tierrechten aus, wenn im Zuge der landwitschaftlichen Urproduktion Tiere als direkte Nahrungskonkurrenten auftreten? – Unbekannt 2005-01-05 19:27

  • Ich bin mir nicht sicher was Du meinst … vielleicht wäre das eher ein Thema für die Schrebergartenutopie? Man erlebt ja einiges … ich habe dennoch das Gefühl, dass die meisten Veganer und Tierrechtler nicht zurück zur rein landwirtschaftlichen Urgesellschaft zurückkehren wollen.

Übertragung von Tierrechtsforderungen auf alle Tiere

Und da Tiere ihre „Rechte“ nicht selbst definieren und vertreten können, müssen es immer Menschen für sie tun. Wäre hierbei nicht der Willkür Tür und Tor geöffnet? – Maeglin 2005-01-06 01:13

  • Dem stimm ich zu: die Gefahr der Willkür ist vorhanden.

Bei Menschen ist es so, dass wer Rechte hat, dessen Rechte auch um jeden Preis geschützt werden müssen. Was würde das nun bedeuten, wenn man Tieren Rechte zusprechen würde. Müssten wir die Rechte der Tiere auch gegen andere Tiere schützen? Müssten wir also auch einen Löwen daran hindern, ein Beutetier zu fangen? Müssten wir das Recht des Beutetieres auch gegenüber dem Löwen verteidigen? – Maeglin 2005-01-06 01:13

  • Nein.
  • Kannst Du dafür eine Begründung geben? Wenn ein Lebewesen über gewisse Rechte verfügt, dann sind doch diese Rechte in jedem Fall zu schützen, egal gegen wen, oder? Menschliche Rechtsträger werden auch absolut geschützt, sei es gegen andere Menschen, sei es gegen Raubtiere. Warum würde das dann im Fall von nichtmenschlichen Rechtsträgern anders sein? Warum würden sie dann nur vor Menschen geschützt werden müssen? – Maeglin 2005-01-06 03:30
  • Vorab: ich weiß nicht, ob man „Tierrechtler“, die so etwas fordern, allzu ernst nehmen sollte. Ich jedenfalls lehne solche Eingriffe in die Natur ab.
  • Falls Du Dich auf positives, also gesetzlich manifestiertes Recht beziehst, trifft der absolute Schutz des Menschen schon einmal nicht zu, denn gegen einen Löwen oder einen Hund kannst Du meines Wissens nicht vor Gericht ziehen. Demzufolge wäre es auch nicht inkonsequent, auch einen Hund nicht gegen einen Löwen vor Gericht ziehen zu lassen.
  • Falls Du das überpositive Recht im Sinne von elementaren Interessen meinst: hier kann es nie einen absoluten Schutz der Interessen eines Individiums geben, denn dies würde die konsequente Verletzung der Interessen anderer dauerhaft festschreiben. Vielmehr sind die jeweiligen sich gegenüberstehenden Interessen immer von Fall zu Fall gegeneinander abzuwägen.
  • Ein Löwe ist auf das Jagen anderer Tiere angewiesen, um überleben zu können. Ihn am Jagen zu hindern würde bedeuten, seine Freiheit und seine Überlebenschancen einzuschränken, also aktiv seine Interessen zu verletzen. Da wäre es meines Erachtens vorzuziehen, die Verletzung des Interesses des Beutetieres auf ein leidfreies Leben passiv in Kauf zu nehmen, zumal dabei nicht dauerhaft wie beim Löwen das Recht auf Freiheit eingeschränkt werden müsste.
  • Davon abgesehen wäre Deine Forderung in der Praxis nicht umsetzbar und aus tierrechtlicher Sicht auch nicht wünschenswert, denn dies würde der Domnestizierung und Gefangenschaft aller fühlenden Individuen gleichkommen.
  • Im übrigen macht es einen gewaltigen Unterschied, ob Tiere ein Leben lang in einer Tierfabrik ausgebeutet werden, oder ob sie nach einem freien Leben in der Natur erbeutet werden.
  • Danke, so ungefähr dachte ich es mir auch. (Maeglin)

Zum Verhältnis von Tierrechten zu Menschenrechten

Im großen und ganzen kann ich diesem Abschnitt nur zustimmen. Problematisch erscheint mir lediglich, dass nicht deutlich zwischen dem positiven und überpositiven Rechtsbegriff unterschieden wird. Ein Großteil der Kritik zielt in meinen Augen auf den positiven Rechtsbegriff ab, was dann auch als solches herausgestellt werden sollte. Der überpositive Rechtsbezug hingegen beinhaltet normalerweise ja auch den Selbstschutz bzw. die Erkenntnis, dass sich (auch beim Menschen) nicht alle Rechte (im Sinne von Interessen) einhalten lassen (vgl. vorletzter Abschnitt).

Hier noch ein paar Anmerkungen zu einzelnen Punkten.

Die Gesellschaft vergibt meines Erachtens keine Menschenrechte, sondern gewährt sie. Das macht einen kleinen Unterschied, weil die letzte Variante davon ausgeht, dass die Rechte angeboren sind, und nicht erst aufgrund bestimmter Kritierien an- (und wieder ab-) erkannt werden können.

Du beziehst Dich auf eine Gesellschaft von Menschen: wenn Individuen Mitglieder dieser Gesellschaft sind, kennen wir auch ihre Interessen. Das ist meines Erachtens nicht relevant (der Gesellschaftsbegriff ist ohnehin diffus), wesentlich ist vielmehr die von Dir ebenfalls berücksichtigte Zugehörigkeit zur gleichen Spezies „Mensch“, woraus wir zumindest die elementaren Interessen ableiten können. Daraus auch auf die elementaren Interessen von Affen, Säugetieren oder allen fühlenden Lebewesen abzuleiten ist, da stimm ich Dir zu, mit Willkür verbunden. Dies ändert jedoch nichts daran, dass diese Lebewesen tatsächlich Interessen haben. Man könnte den Begriff „Tierrechtler“ auch so verstehen, dass diese sich lediglich für die Wahrung dieser Interessen einsetzen, ohne dass damit ein allgemeines Verständnis darüber vorhanden ist, welche Interessen dies im einzelnen sind.

Deine Einschätzung, Schimpansen hätten kein Interesse an einer pädagogische Förderung, ist ja auch eine subjektive Einschätzung, also gewissermaßen ebenfalls willkürlich. Meines Erachtens kommen wir nicht umhin, die Interessen anderer Lebewesen subjektiv einzuschätzen und abzuwägen, wenn wir sie berücksichtigen wollen. Man könnte sicherlich allen Lebewesen (einschließlich des Menschen) unterstellen, nach ihrer Geburt kein eigenes Interesse z. B. an Bildung zu haben. Dennoch kann man objektiv davon ausgehen, dass z. B. ein Mensch pädagogisch gefördert werden muss, damit er in seiner Umgebung (menschliche Gesellschaft) überleben kann. „Recht auf Bildung“ kann aber auch so verstanden werden, dass Individuen nicht daran gehindert werden, selbst zu lernen, ihnen der Zugang zu Wissen und Herausforderungen also nicht vorenthalten werden darf. Damit könnte man allen Individuen gerecht werden.3) Ob sich Tierrechte von Menschenrechten ableiten lassen, hängt also auch davon ab, wie Menschenrechte überhaupt definiert werden.4)

Zum Kriterium der „angeborenen Gesellschaft“: wesentlich besser wäre meines Erachtens, allgemein darauf hinzuweisen, dass die (über die ganz elementaren hinausgehenden) Interessen von Individuen natürlich auch von ihrem Umfeld abhängen. Dies trifft nicht nur auf unterschiedliche Spezies zu, sondern auch auf Menschen. Seine Umgebung allerdings kann man im Gegensatz zu seiner angeborenen Gesellschaft ändern. Die Interessen anhand der Herkunft festzumachen wird dem nicht gerecht.


@Maeglin: per 'Seite bearbeiten' kannst Du direkt unter den jeweiligen Beiträgen antworten, wenn Du magst.


Mir geht es darum zu zeigen, dass Rechte nur Sinn INNERHALB einer Gesellschaft - und zwar der MENSCHLICHEN Gesellschaft - und nicht AUSSERHALB einen Sinn machen, da sie ausserhalb nicht geschützt und eingefordert werden können. Recht ist immer mit Macht verbunden, und sei es nur mit der Macht, diese Rechte einfordern zu können. Wo aber niemand ist, der die Macht oder den Willen hat, Rechte einzufordern, da sind Rechte das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen. Das wäre zweifellos bei den allermeisten Tieren der Fall.

Ich finde es darüber hinaus etwas eigenartig, Säuglinge oder geistigbehinderte Menschen auf eine Stufe mit Tieren zu setzen, bloß weil sie nicht über die geistigen Eigenschaften von gesunden, erwachsenen Menschen verfügen. Im Gegensatz zu Tieren sind diese Menschen nicht voll entwickelt - geistigbehinderte Menschen bleiben unvollständig entwickelt, es sei denn, der medizinische Fortschritt ermöglicht eine „Reperatur“ von geistigen Behinderungen. Aber selbst wenn man das ausser Acht lässt, so fällt immer noch auf, dass Rechte dieser Menschen Sinn machen, da die Gesellschaft ein Interesse an ihnen hat und da ihre Rechte jederzeit durch gesetzliche Vertreter (Vormund) eingefordert und garantiert werden können. Das trifft im Tierreich allenfalls auf Haus- und Nutztiere zu.

Man kann zwar per Gesetz den Mensch dazu verpflichten keine Maus mehr zu töten, jedoch kann man einer Maus nicht das generelle Recht auf Leben einräumen, ansonsten müsste man jede Katze, jeden Fuchs, jeden Marder etc. für die Tötung einer Maus zur Verantwortung ziehen, um dieses Recht allgemeinverbindlich verwirklichen zu wollen. Umgekehrt geht das sehr wohl, so werden z.B. Kampfhunde, die einen Menschen getötet haben, für den Menschen unschädlich gemacht (i.d.R. heißt das: getötet!).

Es kann beim Tierschutz im weitesten Sinne gar nicht um die Rechte von Tieren gehen, sondern einzig und allein um den Umgang des Menschen mit den Tieren.

– Maeglin 2005-01-17 21:18


Tja … aber dazu fällt unseren Tierrechtlern nichts passendes mehr ein. Wenn es um das Auftragen alter Lederschuhe, den richtigen Umgang mit „speziesistischen Bekannten“ oder der veganen Zwangsernährung von Katzen geht, sind sie groß dabei. Bisher habe ich noch nicht auch nur einen einzigen Tierrechtler gefunden, der zu solchen Fragen Stellung bezieht, wie Du sie hier aufwirfst - obwohl die Leute ja hier im Wiki auch aktiv sind. Als Totschlagargument kann Ethik ja immer herhalten … aber lass uns jaaa nicht einmal differenzierter darauf schauen, die Arbeit für die Tiere ist ja wichtiger als solche Theorie.

– Unbekannt 2005-01-20 14:37


Möglicherweise äußerst sich ja kein Tierrechtler dazu, weil Maeglin und andere Autoren der Meinung sind, es ginge ausschließlich darum, nichtmenschlichen Tieren Rechte gegenüber dem Menschen einzuräumen. Oder anders ausgedrückt: Dafür zu sorgen, dass Menschen anderen Tieren mit dem gleichen Respekt und Mitgefühl gegenübertreten wie Angehörigen ihrer eigenen Spezies.

– Tierrechtler 2005-01-20 15:4 (entpolemisiert)


Dann haben wir es aber nicht mehr mit Rechten zu tun, sondern ausschließlich mit menschlichen Pflichten.

Peter Singer ist in seinem Buch „Animal Liberation“ auf diesen Einwand eingegangen und hat gesagt, dass er „Rechte“ nur als eine griffige Kurzformel stellvertretend für den Schutz benutzt, den Tiere vor menschlicher Willkür haben sollten. Von Rechten im eigentlichen Sinne war bei ihm - aus guten, nämlich den oben genannten! - Gründen nie die Rede. Leider hat sich die Tierrechtsbewegung mittlererweile allerdings doch dazu entwickelt, von Rechten im eigentlichen Sinne Gebrauch zu machen und dadurch in Konflikt mit dem Rechtsbegriff zu kommen - also genau den Konflikt, den Peter Singer vermeiden wollte!

Noch eine Kleinigkeit: Bitte keine Polemik und beleidigende ad hominem Argumente benutzen! Danke!

– Maeglin 2005-01-20 15:48


Jaja, gut das hier nicht zensiert wird. Ich bin draußen.

– Tierrechtler 2005-01-20 18:33


Dann müsst ihr keinen „Seite bearbeiten“-Link hier reinstellen, wenn das Ändern von Seiten nicht gewünscht ist. Maeglin versucht doch lediglich, auf den Unterschied zwischen Pflicht und Gesetz aufmerksam zu machen, sowie auf das Problem, welches aus der vergesetztlichen Tierrechtsideologie entsteht. Deren Unvereinbarkeit mit der Praxis ist offensichtlich, und dass es tatsächlich diese Bestrebungen gibt, geht ja schon allein aus den Links von Fussnote 1 hervor. Gibt es denn keinen Tierrechtler, der dafür eine schlüssige Erklärung abgeben kann??

– Unbekannt 2005-01-20 18:52


Nur ein skrupeloses Arschloch kann endloc sdarüber sinieren, ob ein Begriff richtig definiert wird, wenn es um Ausbeutung, Mord und Saklaverei geht. Ob nun Tierrechte in juristischen, sozilogischen, oder sonstigen Sinne richtig definiert werden kann, geht mir sowas vom am Arsch vorbei. Klar ist, dass durch Nichtveganismus Tiere ermordet werden. So, und nun fangt ihr wahrscheinlich an das ermorden wegzudefinieren.

– Tierrechtler 2005-01-20 19:47


Ach [http://antivegan.de/ Mupfi], hör auf damit ;)

– Tierrechtler 2005-01-20 19:49


Wer ist Mupfi?

– Tierrechtler 2005-01-20 23:49


Ob Tiere ermordet werden, ob die Behandlung von Tieren Ausbeutung und Sklaverei ist oder nicht, hängt einzig und allein von der moralphilosophischen Sichtweise ab - wie es hier im VeganWiki schon korrekt an anderer Stelle gesagt wird.

Der Konflikt mit dem Rechtbegriff - den Peter Singer wie schon gesagt vermeiden wollte - entsteht dadurch, dass beispielsweise Maqi Tierrechte definiert als: „Die unverletzlichen und unveräußerlichen Rechte der Tiere auf Freiheit, psychische und physische Unversehrtheit usw. (analog zu Menschenrechten)“ oder die Tierbefreier von einem „Recht auf Unversehrtheit und ein uneingeschränktes Lebensrecht“ sprechen. Wer so argumentiert, muss auch die Folgen seiner Argumentation tragen, nämlich dass sie herbe Kritik heraufbeschwört. Wenn es angeblich nicht so wichtig ist, wie Tierrechte etc. korrekt zu definieren sind, warum dann dieses sture Beharren auf einer Analogie zu den Menschenrechten? Den Tieren ist es völlig egal, ob man von Tierrechten oder Menschenpflichten spricht, für den Menschen macht es dagegen sehr wohl einen Unterschied.

Denn in Wahrheit geht es ja nicht um irgendwelche uneingeschränkten Rechte, sondern im Gegenteil lediglich um „frei[heit] von menschlicher Grausamkeit und Willkür“ wie es die Tierbefreier hinzufügen. Es kann im Tierschutz, egal ob gemäßigt oder radikal, nie und nimmer um Rechte von Tieren gehen, sondern einzig um eine menschliche Selbstverpflichtung gegenüber den Tieren, also um menschliche Gesetze.

– Maeglin 2005-01-21 00:05


Ich halte für zweifelhaft, ob sich tatsächlich alle, die sich als TierrechtlerInnen begreifen, auf den Gedanken des Antispeziesismus berufen.

– Tom 2005-04-06 08:20

1) Z. B. [http://www.actionagainstpoisoning.com/actionagainstpoisoning/pages/de/UDAR_de.html Universelle Erklärung der Tierrechte (UNESCO, 1978)], [http://www.tierschutzpartei.de/ Tierschutzpartei], [http://animals-constitution.info/de/ Animals Constitution (Kampagne aus dem Umfeld von vegan.de)], vetvita (hier wird über EU-Pässe für „Haustiere“ berichtet usw. — „Tierrecht“ allein als Rahmengesetze für Tiere als Hobby mit nicht einmal tierschützerischem Anspruch.
2) Es wäre ja bereits Illusion, anzunehmen, die Menschen unterschiedlicher sozialer Schichten würden vor Gericht alle gleich behandelt.
3) Zumindest, wenn man ihnen die Freiheit gewährt, was in einer nicht-veganen Gesellschaft schwierig werden dürfte.
4) Wir können ja eine eigene Seite dazu anlegen (vielleicht auf Basis von Wikipedia:Menschenrechte), nicht zuletzt deshalb, weil sich ja auch die schon bei den Menschenrechten anzubringende Kritik (Missbrauch, zweierlei Maß etc.) teilweise auf Tierrechte übertragen lassen dürfte.