Speziesistische Redewendungen sind Ausdrücke, welche Individuen aufgrund ihrer Spezies einen zumeist negativen Wert zuschreiben, sie als Gebrauchsobjekte darstellen oder anderweitige Gewalt gegen Vetreter dieser Spezies wiedergeben.
Die Verwendung dieser Ausdrücke, ganz gleich ob in diesem Sinne beabsichtigt oder in Form einer Metapher (übertragenen Bedeutung), reproduziert zweierlei Aussagen:
Somit tragen speziesistische Redewendungen zur Aufrechterhaltung eines Gruppendenkens bei, welches Tiere als Gebrauchsgüter ansieht und Gewalt gegen diese rechtfertigt. Sie verletzen indirekt Interessen. Dabei ist es unerheblich, ob die zugeschriebenen Eigenschaften oder die Gewalt in der jeweiligen Situation begründet sind: der speziesistische Ausdruck richtet sich gegen alle Individuen der adressierten Spezies, er pauschalisiert und diskriminiert.
Der bewusste Umgang und das Vermeiden solcher Redewendungen sind Teil einer diskursiven Praxis, ohne die sich ein speziesismenfreie Gesellschaft nicht entwickeln kann. Allerdings ändern sich die Verhältnisse nicht durch die Terminologie allein - entscheidend ist letztlich die tatsächlich vertretene und gelebte Anschauung. Der bloße Austausch von Worten im Sinne „politischer Korrektheit“ führt meist zu negativen Konnoationen der vorgeblich diskriminierungsfreien Sprache (vgl. Wikipedia:Euphemismus-Tretmühle), und bestätigt eher das Gruppendenken, statt es zu überwinden.
Speziesistische Redewendungen bei anderen können sachlich kritisiert werden. Wenn ihr Auftreten allerdings zum Anlass genommen wird, die Gedanken anderer überhaupt nicht mehr nachzuvollziehen oder anzuerkennen, verkommt die Kritik an der Reproduktion interessenverletzender Anschauungen zum reinen Ausschlusskriterium.
Beispiele für speziesistische Redewendungen:
Weitere u. a. sprachliche Mittel, mit denen Anschauungen zum Ausdruck gebracht werden, finden sich im Ordner:Diskurs, z. B. die Euphemismen.
Der Speziesismus ist eine Sonderform des Biologismus, ebenso sind speziesistische Redewendungen eine Teilmenge der biologistischen Redewendungen.
„Tiere fressen“. Besser: Wir „essen Pflanzen“, omnivore „fressen Leichen“ oder ermordete Kühe/Schweine/wasauchimmer (Habt Ihr schon mal jemanden eine Keule/Rippchen abnagen sehen? Uah!) – Das „fressen“ seh ich nicht so dramatisch: damit ist doch gemeint, dass „unordentlich gegessen wird“. Dies impliziert zwar oft eine negative Wertung, doch die Norm „ordentliches Essen“ ist auch nur ein Konstrukt, also muss „fressen“ nicht negativ aufgefasst werden, oder? Peppermint 2006-05-01 18:04
Ich bin dafür, die eingangs genannte Ablehnung von speziesistischen Redewendungen zu präzisieren, denn Diskriminierung allein stellt für mich noch keine Kritik dar. Diese ließe sich besser daran formulieren, dass die Redewendungen entweder Tiere mit negativen Eigenschaften oder Ereignissen gleichsetzen, oder sie indirekt den Konsum tierischer Produkte oder die Jagd gutheißen. Letzteres verletzt elementare Interessen von Lebewesen, während die pauschale Gleichsetzung mit negativen Dingen Tiere als „minderwertig“ darstellt, woraus unausgesprochen die Legitmation der Missachtung ihrer Bedürfnisse abzuleiten versucht wird. Deshalb ist es wichtig, diese durch die Sprache ausgedrückten Wertvorstellungen aufzubrechen und durch Ausdrücke zu ersetzen, die frei von derartigen Degradierungen sind. Peppermint 2006-05-02 00:37
Done. Peppermint 2006-08-07 22:13