Rücksichtnahme bedeutet die Wahrnehmung und Anerkennung von Interessen und Bedürfnissen anderer Individuen sowie die Berücksichtigung dieser beim eigenen Handeln. Diese kann durch äußere Vorgaben, z. B. Gesetze oder Religion gelenkt werden, aber auch einer Anschauung entspringen, bei der die Wahrung der Interessen anderer bereits auch ein Teil der eigenen Ziele und Interessen ist.

Von negativen Erfahrungen ausgehend wird oft der Gedanke geäußert, dass Menschen von Natur nicht dazu geschaffen wären, rücksichtsvoll miteinander und mit ihrer Umwelt zu leben. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass nahezu jeder zumindest einem kleinen Kreis von Menschen, z. B. der Familie oder engen Freunden gegenüber, rücksichtsvoll ist. Ohne Kooperation und einen gewissen Grad an Rücksichtnahme hätten sich zudem die technologischen und kulturellen Errungenschaften der Menschen nicht entwickeln können.

Der Mensch ist also in der Lage, die Interessen anderer zu berücksichtigen - die Frage ist nur, wem gegenüber er rücksichtsvoll ist, und wem nicht. Das Problem fehlender Rücksichtnahme ist damit kein Problem mangelnder Fähigkeiten, sondern offenbar ein Problem von Gruppendenken, bei welchem der Bezug eines anderen Indivduums zu einer Gruppe darüber entscheidet, ob seine Interessen berücksichtigt werden oder nicht.


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