Begriffsbestimmung

Interesse leitet sich vom lateinischen „interesse“ ab, welches wörtlich „dazwischen sein“ bedeutet, und meist mit „teilnehmen an“ übersetzt wird. So lässt sich Interesse grob als Anteilnahme eines Interessenträgers an einer Person oder einer Sache beschreiben. In unserem Kulturkreis erlangte der Begriff Interessen erstmalig in der Staatstheorie des 17. Jahrhunderts philosophische wie politische Bedeutung.

Allgemein steht der Begriff für die Motive und Ziele des eigenen Handelns (vgl. auch Aktionen), die aufgrund bestehender Bedürfnisse entwickelt und zu realisieren versucht werden. Da sich Interessen aus den Bedürfnissen und der jeweiligen Situation mit ihren Grenzen und Möglichkeiten ableiten, wird der Begriff oft auch übergeordnet für beide Aspekte gebraucht.

Wer kann Träger von Interessen sein?

Träger von Interessen können natürliche und juristische Personen, Individuen als auch Institutionen sein. Daraus lassen sich strukturelle und indiduelle Interessen ableiten. Da Individuen meist in Strukturen leben (z. B. in einer Beziehung, in einer Familie, in einer Stadt, einem Verein, einem Unternehmen, einer Gesellschaft etc.), haben sie meist verschiedene, sich manchmal sogar widersprechende Interessen.

Objektive und subjektive Interessen

Um sinnvoll mit dem Interessenbegriff arbeiten zu können, erweist es sich als zweckdienlich, Interessen in zwei grundlegende Kategorien zu unterteilen:

  • objektive Interessen, und
  • subjektive Interessen.

Objektive Interessen

Objektive Interessen kennzeichnen sich durch ein tatsächliches Bedürfnis, welches zum Erhalt einer würdigen Existenz eines Interessenträgers notwendig ist. Zur Verdeutlichung dessen werden objektive Interessen in der Philosophie auch als vitale Interessen bezeichnet. Vitale Interessen liegen auch dann vor, wenn sich der Interessenträger seiner Interessen unbewusst ist. Objektive Interessen werden von einer Gruppe ähnlicher Interessenträger ungeachtet individueller Unterscheide ihrer Persönlichkeit geteilt.

Beispiele für vitale Interessen in Bezug auf Individuen sind: Leben, Nahrung, Freiheit oder ein angemessener Lebensraum.

Subjektive Interessen

bitte weitschreiben

Essentielle und ergänzende Interessen

Anhand einer Bedürfnispyramide, wie sie etwa Maslow formuliert hat, lassen sich Interessen priorisieren. Bei dieser Bewertung geht es nicht darum, „richtige“ und „falsche“ oder „berechtigte“ und „unberechtigte“ Interessen zu definieren. Vielmehr soll ein Maßstab gefunden werden, anhand dessen die Interessen von Indivduen bei Interessenkonflikten gegeneinander abgewogen werden können, um zu einer für beide Seiten befriedigenden Lösung zu kommen.

Alternativlose und alternative Interessen

(Gibt es eine bessere Bezeichnung dafür?) Lassen sich bestimmte Bedürfnisse nur auf einem ganz bestimmten Weg erfüllen, ist von alternativlosen Interessen die Rede. Im Gegensatz dazu liegen alternative Interessen vor, wenn zur Erfüllung eines Bedürfnisses mehrere Optionen zur Auswahl stehen. Auch dies muss beim Abwägen von Interessenkonflikten beachtet werden.

Verletzung von Interessen

Die Verletzung von Interessen kann als Gewalt bezeichnet werden. Diese kann sich bewusst oder unbewusst, individuell oder strukturell vollziehen. Gewalt kann anhand einer Analyse der sich gegenüberstehenden Interessen und der dabei auftretenden Verletzungen von Interessen beschrieben, und unter Bezug auf Moral beurteilt werden.


Siehe auch: Tiere und ihre Interessen


Ordner:Begriffe

Vorläufige Diskussion

Den Bezug der Anteilnahme auf „Person, Sache oder Diskurs“ habe ich zu „Person oder Sache“ verallgemeinert, weil man neben Diskursen sicherlich noch viele viele andere Phänomen hier auflisten könnte.

Wenn wir die „philosophische wie politische Bedeutung der Staatstheorie des 17. Jahrhunderts“ erwähnen, sollten wir auch kurz erläutern, wie „Interesse“ in diesem Kontext gedeutet wurde (oder dass er dort im Sinne der oben beschriebenen Anteilnahme […] zu interpretieren war). Peppermint 2006-08-24 22:23


Danke, Tom, dass du diesen Artikel ins Leben gerufen hast - das selbe wollte ich, ausgehend von der Diskussion auf Moral ist kein Argument, heute auch tun :) Ich denke, dass diese Seite hier eine wichtige Grundlage für viele weitere Diskussionen sein wird, weshalb ich es sehr begrüßen würde, wenn wir den Artikel gemeinsam weiterschreiben :) Meine Ergänzungen haben in diesem Sinne (wie eigentlich alles im Wiki) sind natürlich wie immer nur als Entwurf zu verstehen, ggf. lässt sich dieses oder jenes auch wieder rausnehmen und als Meinung kennzeichnen .)

lg, Peppermint 2006-08-24 22:38


Zu den objektiven Interessen: das könnte nach meinem Geschmack noch etwas konkretisiert und gegenüber den subjektiven Interessen abgegrenzt werden. Ich könnte mir vorstellen, dass „objektive Interessen“ hilfreich sein könnten, um objektive Kriterien der Rücksichtnahme zu definieren. Objektiv heißt für mich aber: intersubjektiv nachvollziehbar, überprüfbar … sind subjektive I. das nicht? Wie sähen diese aus? Peppermint 2006-08-24 22:45


Da hatten wir wohl den gleichen Gedankengang. An dem Artikel muss noch viel getan werden, denn im Moment ist es wirklich nur eine grobe Aneinanderreihung dessen, was ich über Interessen gelesen und im Gedächtnis behalten habe. Insbesondere über subjektive Interessen und wie sie von verschiedenen Philosophen von objektiven abgegrenzt wurden, muss ich noch recherchieren. Bin nur dummerweise gerade in Nähe einer gut sortierten Bibliothek und das Internet gibt zu diesem Thema leider nicht allzu viel her.

Auch wäre es denkbar neben objektiven und subjektiven Interessen zwischen privaten und kollektiven zu unterscheiden.

Und was ist Interessenkonflikt? Welche Möglichkeiten bieten sich an Interessenkonfilkte zu vermeiden oder zu lösen?

Es gibt noch viel zu tun… TomFalkner 2006-08-24 23:04


Den Bezug der Anteilnahme auf „Person, Sache oder Diskurs“ habe ich zu „Person oder Sache“ verallgemeinert, weil man neben Diskursen sicherlich noch viele viele andere Phänomen hier auflisten könnte.

Vielleicht sollten wir ganz allgemein von Entitäten sprechen… aber ich bin immer bemüht Fachvokabular wo möglich zu vermeiden, um keine unnötigen Barrieren aufzubauen. „Person oder Sache“ verkürzt die Erklärung meines Empfindens zu sehr oder ist zumindest unscharf. Interessen bestehen schließlich auch an nicht greifbaren Dingen wie Politik, Wissenschaften, Musik, Religionen und ähnlichen. Wie können wir das am besten unter einem Sammelbegriff fassen, den die meisten Menschen verstehen? TomFalkner 2006-08-24 23:13


Entitäten sind meines Erachtens nicht der richtige Begriff — aus meiner Sicht geht es bei Interessen um Ziele (letztlich Zustände, die erreicht werden sollen), für die Gegenstände (= Entitäten?) ein Mittel sein können. Als Sammelbegriff finde ich „Interessen und Bedürfnisse” schon am sinnvollsten, nur ist dieser Begriff sehr abstrakt, und wir müssen ihn hier mit Leben füllen wenn wir bei der Entwicklung von gewaltfreien Konzepten weiterkommen wollen. – Peppermint 2007-06-02 21:13