Ethik

Nachdenken über die Moral

Im Gegensatz zur Moral geht Ethik nicht von gesellschaftlich und emotional geprägten Auffassungen aus, sondern sucht das „richtige Handeln“ auf logisch ableitbare, objektive Maßstäbe aufzubauen. Wesentliche Aspekte dabei sind die Motive, die Methoden und die Folgen des menschlichen Handelns. Ethik wird auch als das „Nachdenken über die Moral“, also über die Normen und Wertvorstellungen angesehen.

Denken in unterschiedliche Richtungen

In den folgenden Absätzen werden einige grundlegende ethische Denkrichtungen skizziert. Diese Ansätze widersprechen sich zum Teil. Menschen können also durchaus ethisch und dennoch unterschiedlich handeln. Der Streit um die „richtige” Ethik ist, ebenso wie der Streit um die „richtige” (oder keine) Religion, Teil eines fortwährenden Diskurses, der vielen tagesaktuellen Themen zugrundeliegt - und ohne Bezug auf die jeweils zugrundeliegenden Annahmen (Prämissen) nicht zu lösen ist. Da ethische Systeme in der Regel in sich selbst schlüssig sind, können sie nicht als „falsch” widerlegt werden. Es lassen sich aber Aussagen über die Prämissen treffen, zum Beispiel über die strukturelle und zeitliche Eingrenzung der Bezugsgruppe (um wen geht es, um wen nicht?), die angestrebten Ziele (was soll erreicht werden?) und die Art des Ausgleichs von Interessenkonflikten (wie werden z. B. Glück und Leid „aufgerechnet”?).

Kein Argument, aber Grundlage für Argumentation

Nicht nur die Moral ist kein Argument, sondern auch die Ethik. Ethische Systeme sind zusammengefasste Annahmen und Schlussfolgerungen. Die Annahmen werden dabei im Glauben an deren Richtigkeit und Gerechtigkeit formuliert. Ähnlich wie bei Moral ist jedoch auch bei der Ethik der Bezug auf bestimmte ethische Vorstellungen ein wichtiger Ausgangspunkt von Argumentationen, da er (meist unausgesprochen) die höheren Ziele (z. B. eine möglichst glückliche Gesellschaft) festlegt. Ein Bewusstsein über die eigenen ethischen Vorstellungen ebenso wie über den ethischen Rahmen anderer ist Vorraussetzung dafür, die richtige Ebene für sich gegenüberstehende Meinungen (einen Dissens) aufzuspüren: geht es in einem Streit nur um den richtigen Weg für ein eigentlich gemeinsames Ziel, oder weichen die Ziele von vornherein voneinander ab? In letzterem lohnt es sich, das Für und Wider verschiedener ethischer Systeme getrennt von der sachlichen Ebene abzuwägen. Für dieses Wiki soll diese Seite eine Grundlage dazu bieten.

Ethische Systeme im Überblick

Hier nun die wichtigsten Denkrichtungen der Ethik im Überblick. Weitere Aspekte bitte ergänzen!

Todo: Visualisierung in einem Schema, einer Matrix oder ähnlichem.

Anthropozentrik vs. Pathozentrik

Utilitarismus

Gesinnungsethik vs. Verantwortungsethik

Notizen: Max Weber: »Gesinnungsethik« versus »Verantwortungsethik« - Weber meint, dass bei einer auf Anschauungen basierenden Ethik der Zweck die Mittel „heiligt“ und sich in Prinzip selbst ad absurdum führt, während die „eigentliche“ Ethik frei von jeglichen Anschauungen oder Annahmen über den Menschen sein soll. Beide ethische Richtungen seien miteinander unvereinbar.

„Unethik”

Wird eine Verhaltensweise als „nicht ethisch” beurteilt, sind verschiedene Fälle zu unterscheiden:

  1. Ein vollkommen fehlender Bezug auf jegliches ethische Denken, also die völlige fehlende Berücksichtigung der Folgen des eigenen Handelns, sind nur bei extrem egozentrisch und individualistischen Anschauungen denkbar. So weit verbreitet selbstbezogenes Denken auch sein mag, ist letztlich jeder Mensch zum einen ein soziales Lebewesen, und zum anderen zum Überleben auch auf Kooperation mit anderen Individuen angewiesen. Beides ist ohne die bewusste oder unbewusste Zustimmung zu bestimmten ethischen Ansichten nicht denkbar.
  2. Nicht ethisches Verhalten wird oft denjenigen vorgeworfen, die sich auf andere ethische Maßstäbe oder Systeme beziehen. Dann geht es jedoch nicht um Ethik oder Nicht-Ethik, sondern um die Prämissen der jeweils angenommenen ethischen Sichtweise (siehe oben: Ethik ist kein Argument).
  3. Besteht ein Konsens über die zugrundeliegenden ethischen Ansichten, kann ein Verhalten dann als „nicht ethisch” oder „ethisch nicht korrekt” oder „konsequent” kritisiert werden, wenn das Handeln den eigenen ethischen Anschauungen widerspricht. Das kann zum Beispiel unwissentlich, fahrlässig oder bewusst passieren (was sich jeweils unterschiedlich moralisch beurteilen ließe). Da die meisten Handlungen in der Summe sehr komplexe Folgen haben, ist gerade hier eine kontinuierliche dw>Selbstkritik und Auseinandersetzung notwendig, und zwar sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf die eingenommenen ethischen Vorstellungen.

Weitere ethische Denkweisen

Was gibt es noch relevantes?

Kriterien für ethische Systeme

Hier wird noch nachgedacht und recherchiert …. aus den oben genannten Richtungen sollen allgemeine Kriterien abstrahiert werden. Analog zu wn>Policymodulen können diese Kriterien mit verschiedenen Werten belegt werden, woraus sich eine Ethik „zusammensetzen” lässt, welche den eigenen Vorstellungen am nähesten kommt, ohne sich zu sehr bestehenden Anschauungen unterzuordnen … nur so als Idee. Ein solcher „Katalog” könnte dabei helfen, eine gemeinsame „ethische Basis” für dieses Wiki zu finden, die allerdings jederzeit zur Disposition stehen sollte und somit immer wieder korrigiert und verbessert werden kann.

  • Diskriminierung: Gegenwart vs. auch Zukunft
  • Diskriminierung: Feste (willkürliche) Gruppen vs. rekursiv abnehmende Rücksicht vs. totalitäre Ethik
  • Summierung: Absolutes vs. relatives Leid
  • Summierung: Vetosummierung mit Wichtung anhand Bedürfnispyramide vs. ungewichtete Summierung vs. …

Diskussion

Grundaussagen älterer Diskussionbeiträge wurden in den obenstehenden Text eingearbeitet und können hier nachgelesen werden.

Toleranz / Moralische Beurteilung von Gewalt

Diese Fragmente einer früheren Diskussion sollten auf einer eigenen Seite näher ausgeführt werden, und u. a. auf den Seiten Gewalt und Moral verlinkt werden. „Toleranz” wiederum wäre ein Thema für das Diskurswiki und z. B. im Zusammenhang mit „politischer Korrektheit” zu betrachten.

  • Es steht außer Frage, dass für eine nicht-vegane Lebensweise unnötigerweise fühlende Lebewesen ausgebeutet werden, und es steht außer Frage, dass der Missbrauch von Kindern eine inakzeptable Verletzung von Interessen bedeutet. Entscheidend ist jedoch, wie damit umzugehen ist. Mit „Zero Tolerance“ und Höchststrafen änderst Du nichts an den Ursachen. Selbstverständlich ist so ein Missbrauch auf's schärfste moralisch zu verurteilen. Es macht jedoch einen Unterschied, ob der Täter z. B. selbst in seiner Kindheit missbraucht wurde oder nicht, ob er eine seinem Alter entsprechende geistige Reife entwickelt hat oder nicht, ob er unter Drogen stand oder bei vollem Bewusstsein war, ob er mit vorgehaltener Waffe zu der Tat gezwungen wurde oder aus reinem Sexualtrieb heraus handelte, ob er in einem gesellschaftlichem Umfeld aufgewachsen ist, in dem der Missbrauch von Kindern als normal oder gar ehrenwert gilt, oder ob er in einer Gesellschaft groß wurde, in dem Kindesmissbrauch als das größte Verbrechen angesehen wird. Eine pauschale Verurteilung (und nichts anderes stellt die Ablehnung einer unvoreingenommenen Auseinandersetzung dar) führt zu einem System von Law und Order, zum Wegsperren gesellschaftlicher Probleme, das letztlich dazu dient, die bestehenden (Herrschafts-) Verhältnisse aufrechtzuerhalten — wo keine Probleme sind, muss auch nichts verändert werden …
    • Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen, jedoch verstehe ich unter Toleranz das geduldige Hinnehmen eines bestimmten Verhaltens. Geduldig hinnehmen, also tolerieren, kann ich nur, was anderen keinen Schaden zufügt. Die Maßnahmen, die sich aus Intoleranz ergebenden Maßnahmen müssen keineswegs gewalt- und herrschaftsbejahend sein, sondern können auch emanzipatorischen Charakter haben.
      • Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen „Zero Tolerance“ und „etwas nicht tolerieren, etwas nicht einfach so hinnehmen“. Die Menschen mit den Folgen ihres Handelns zu konfrontieren, sie zum Nachdenken anzuregen, ihnen Information und neue Sichtweisen anzubieten sind für mich wesentliche Punkte, wenn man etwas verändern will. Eine unvoreingenommene Auseinandersetzung abzulehnen, die Menschen allein anhand der Folgen ihres Handelns abzuurteilen, ohne auf die Ursachen und Umstände einzugehen, sind für mich herrschaftsbejahend, denn dann folgen sie allein moralischen Vorstellungen, was nichts anderes als reiner Willkür gleichkommt — wer schließlich legt die moralischen Maßstäbe, wenn nicht die herrschende Klasse?

Zwischenfazit aus der Diskussion

Eine ethische Begründung des Veganismus ist nur dann haltbar, wenn explizit auf die pathozentrische Ethik Bezug genommen wird. Dabei wäre jedoch zu begründen, warum ausgerechnet diese ethische Auffassung die richtige sein soll. Zu untersuchen wäre weiterhin, inwiefern die in der Pathozentrik getroffenen Annahmen auf bestimmte Fälle zutreffen. Wenn aus pathozentrischer Sicht von einer „ethischen Notwendigkeit zum Veganismus“ die Rede ist, bleibt überdies aufzuzeigen, warum nicht auch andere Handlungsweisen aus der Pathozentrik ableitbar sind. Eine allgemeine Forderung zum Veganismus ließe sich dennoch nicht daraus ableiten, da es weiterhin verschiedene ethische Systeme geben wird. Zu beachten ist auch die Kritik, ein ethisches System könne allein für die Legitimierung bestimmter Handlungen oder gesellschaftlicher Verhältnisse konstruiert oder missbraucht werden. Somit stellt sich die Frage, inwieweit man sich überhaupt einem ethischen System unterordnen möchte.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, Ethik lediglich als Mittel der Reflektion der Motive und Folgen des eigenen Handelns zu betrachten, um mithilfe dieser Überlegungen und unter Einbeziehung individueller moralischer Vorstellungen die eigene Weltanschauung zu überprüfen. So ließe sich zum Beispiel mit dem Streben nach Freiheit1) und Gleichheit2) im Sinne eines aufgeklärten Denkens die „Notwendigkeit“ antispeziesistischen Handelns schlussfolgern. Bei solchen politischen Forderungen ist es, im Gegensatz zur allgemeinen „ethischen Notwendigkeit“, offensichtlich, dass sie keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben, sondern allein auf (meines Erachtens berechtigten!) moralischen und auch rationalen3) Zuspruch hoffen können.

Diskussion bitte fortsetzen.


ethik speziesismus tierrechte tierschutz

1) Wahrung der eigenen Interessen und der Interessen anderer
2) Individuen nicht aufgrund willkürlicher Merkmale diskriminieren
3) Rational im Sinne von: mir nützt es auch, wenn es anderen besser geht.